in Print

70% ist wie du aussiehst

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Hast Du mal ’nen stern? Um neue Gelegenheitskäufer am Kiosk zu finden und auf den heutigen Relaunch aufmerksam zu machen, gibts ihn für 1 Euro, wobei die ersten 10.000 Abonennten ihn für 52 Euro im Jahr bekommen. Mein Eindruck: Vertrautes neu verpackt ohne dabei die Inhalte zu verändern oder gar die Zielgruppe zu erweitern.

Für mich ist der stern eine Art Fernehersatz, leichte Printkost ohne den Journalismus zu vernachlässigen, einem souveränen Fotografiefokus und dem Interesse an Menschengeschichten in Interviews, Reportagen oder dem Klassiker „Was macht eigentlich?“ auf der letzten Seite. Er ist Mainstream ohne so wirklich bieder zu sein. Das Tagesaktuelle ist schon längst digital, mit ihnen die Fakten, Fakten, Fakten. Nur, stern.de ist eine austauschbare, tagesaktuelle Nachrichtenseite. Ich habe mich zufällig zwei Mal dort verloren und kam nie wieder. Und im Mobilen sehe ich in meiner persönlichen Nutzung keinen nennenswerten Grund digital zu wischen und tippen.

Denn das haptische Umblättern, ohne dabei zum nächsten Klick verführt zu werden, fokussiert das Leseverhalten und erlaubt es Fotografie intensiver zu bewundern, in Zeiten von Data Vader, ein Hort der Privatsphäre: Das ist die Stärke von gedruckten Medienerzeugnissen und ist beim Relaunch geglückt. Die neuen Schriften wirken zeitgemäßer und die Aufteilung des Corpus in Kopf, Herz und Bauch macht ihn sympathisch.

Um neue Leser zu gewinnen fehlt meines Erachtens ein neuer inhaltlicher, konzeptioneller Ansatz. Die Titelgeschichte über einen liebenden Pfarrer ist bieder to the core. Wir werden genügend von der Kirche ungewollt in unserem Nachrichtenfilter informiert: Papstwahl, Pädophile oder je nach Saison die Jugendtage. Es regiert in Tschermani eine Partei mit einer Religion in ihrem Namen, viele hätten sicherlich etwas gegen eine Islamisch Demokratische Union einzuwenden. Offen, modern und der Zukunft zugewandt sieht anders aus. Nicht zu vergessen, die Kirchensteuer wird weiterhin munter über die Lohnsteuer abgewickelt. Wir schreiben das Jahr 2013, Staat und Kirche sind nicht getrennt. Es gibt andere Themen als einen Pfarrer der außer Gott seine Frau liebt.

Ich sehe fast keine Vernüpfung zu den digitalen Angeboten des stern. Ich sehe eine 10-seitige, teure Mercedes Werbung, die nichts aussagt und Image-Ego ist. Ich sehe keine Ansprache der jüngeren Zielgruppe. Ich sehe keine Inhalte, die Off- und Online verknüpfen oder über diese Welt berichten. Mit einem Relaunch-Werbebudget in zweistelliger Millionenhöhe, Berater, die aus den USA einfliegen und hunderte von Augen, ist die neue Verpackung ganz nett, aber das sind ja alle. Merkwürdig ist, dass der stern das Bloggen so gut wie garnicht lebt, schade, ein Fotografieblog der mit dem Gedruckten spricht ist so einfach, Verpackung ist eben wichtig, davon kann Eddie Izzard ein Lied singen.

Leave your mustard

Kommentar

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  1. Der neue Stern hat sich zwar verändert, ist aber noch der Gleiche geblieben. Neuer geworden ist er dadurch aber trotzdem nicht und das Bloggen auf der Strecke geblieben ist, ist auch relativ schade. Naja…vielleicht tut sich ja mal bald etwas.