Futurezone.de läuft

Seit gestern gibt es noch eine Tech-News-Plattform in deutscher Sprache. Halt, so einfach ist es nicht. Futurezone.de ist eine österreichische/deutsche Kooperation der Futurezone und Funke Digital mit Redaktionssitz in Berlin. Spannend ist das Team dahinter, zwei Frauen, die der männerlastigen Tech-News-Domäne einen frischen, neuen Anstrich verleihen, danke dafür und viel Erfolg!

Hajo, Mannem

Mit 3 bin ich das erste Mal umgezogen, von Frankfurt nach Chicago. Insgesamt bin ich 17 Mal umgezogen. In Mannheim hatte ich als heranwachsender Junge 3 Jahre einen festen Wohnsitz.

Mannhatten hat sich quasi ihre Stadtplanung von der Quadratenstadt Mannem abgeschaut, so wars, um nach N1 zu kommen fährt man einfach die Buchstaben-Achse runter. So ähnlich navigierts sich in NYC, von der 12. zur 42. Straße einfach immer einer Avenue entlang.

Als mittelmäßig talentierter Skater habe ich mein Glück am Wasserturm-Pool gesucht, der Turm lag außerhalb der Quadraten am Friedrichplatz. Auf dem Eis war ich deutlich sportlicher unterwegs, beim MERC. Und übers Netz schlug ich gelbe Bälle im Schwarz-Weiß Neckarau, hajo.

Aus der Zeit ist mir der rauhe, charmante Dialekt erhalten geblieben, auf Knopfdruck kann ich sprechen wie ein Mannemer. Ich hatte immer das Gefühl dort willkommen zu sein, in der Schule, der Nachbarschaft oder im Stollenwörtweiher.

In den vielen Jahren meines Umherziehens habe ich gelernt zuzuhören, ein Fremder zu sein obgleich das Fremde zu umarmen und dabei die einzigartigen kulturellen Codes bewusst zu sehen. Beim nächsten Umzug durfte ich mir das Schönste aussuchen und einfach mit nehmen.

Mannem hat mich positiv geprägt, die einstige Arbeiterstadt hat einen harten Kern, ehrlich, eine besondere Art über sich selber zu lachen kombiniert mit einem gesunden Lokalpatriotismus.

Besonders ist mit der traditionsreiche Waldhof Mannheim in Erinnerung gelieben. Waldhof kam nie mit dem potenziellen Hopp-Mäzen klar, dafür der aus der Retorte gebackene TSG. So ein Gaudino wäre in Hoffenheim sowieso im falschen Verein.

Smudo über Motivation und Information

Dass es irgendwie mehr en vogue ist, zu sagen: „Das finden wir scheiße und das muss weg!“, statt zu sagen: „Wie können wir das denn lösen und verbessern?“ Also Konfrontation statt Dialog und das gibt es an ganz vielen Ecken im ganz normalen Alltag genauso wie im politischen Alltag und das ist etwas, da geht mir aktuell der Hut hoch.“

Quasi der schnelle Dislike in erhöhter digitaler Transparenz, auch wenn es einem vorne und hinten an fundierten Informationen fehlt. Es ist natürlich einfacher als mit tatsächlichen Argumenten und dabei einen offenen, streitbaren Dialog zu führen. Der schnelle Klick im Kopf und mit dem Finger scheut weder Geld noch Zeit und gibt dem „das muss weg“ Futter.

Mit dem Überfluss an Informationen entsteht der Bedarf weniger Informationen zu filtern, welche eigene Vorurteile stützen, auch wenn dabei Informationen verloren gehen, die direkt vor einem liegen und faktisch für sich sprechen. Das führt eher zur Informations-Arroganz, in der Birnen als Äpfel wahrgenommen werden und nur die eigene egoistische „Gewissheit“ beruhigt wird.

Ich glaube aber auch, dass Information uns retten kann, weil nämlich jeder auch ein Sender sein kann und wenn sich genug Leute gemeinsam zusammentun, eine gute Botschaft verbreiten, glaube ich schon, dass die ihren Absatz finden wird.

via RBB Inforadio

Das Wunder von der Küste

Bremerhaven erfindet sich neu. Mit dem kleinsten Etat der DEL haben die Neulinge der Liga, die Fischtown Pinguins, in ihrer ersten Saison die Playoffs errreicht und starten heute gegen den ERC Ingolstadt.

Lange war die Stadt im Umbruch. Mittlerweile erfinden sich der Hafen und die Innenstadt neu. Arbeitsplätze sind geschaffen worden, dank der Windenergie und dem Export von Autos. Die Fischtown Pinguins tragen einen stolzen Teil dieses neuen Selbstbewussteins der Hafenstadt.

Beim Wunder von der Küste spielt auch Berlin eine Rolle. Trainer Thomas Popiesch, einst talentierter Spieler beim damaligen Dynamo Berlin und DDR-Republikflüchtling, hat ein Team geformt, dass sogar zweimal beim Meister EHC München gewann.

Bremerhaven ist eine riesige Bereicherung für den deutschen Eishockey. Der Erfolg ist so süß weil mit relativ wenigen Mitteln das beste Resultat erzielt wurde, authentisch und nordisch gelassen.

Skalierung der digitalen Bohéme


Illustration: Susann Massute

In nur 10 Jahren haben sich die freiberuflichen Mikrounternehmer in Deutschland verdoppelt und Berlin bleibt auch deren Hauptstadt. Auf einer PowerPoint Folie lässt sich das super schick darstellen, es wird mal wieder ordentlich skaliert!

Ich war letzte Woche in der Kopenhagenerstrasse und habe mir den Vortrag und die Diskussion zur Lage der digitalen Bohéme angehört. In Anlehnung an das zehnjährige Jubiläum des Buches „Wir nennen es Arbeit“ waren auch die Autoren Friebe und Lobo körperlich und geistig anwesend. Timo Daum reihte seinen Vortrag an seine schriftlichen Gedanken an und fragte uns, ob der Kapitalismus nur seine Krisen besser managed und sich an Stew Albert besinnt:

„Socialism in one person! But that of course is capitalism.“

Timo erwähnte auch Janina Kugel, Siemens Personlachefin, die heutzutage davon redet wie wichtig das Individuum ist und dessen Selbstverwirklichung, denn wer selbstbestimmt arbeitet ist auch produktiver! So finden sich Ideen der digitalen Bohéme in der Sprache eines Corporate-Tankers, die von den flexiblen Arbeitszeitmodellen der Mikrounternehmer gerne etwas abhaben wollen.

In der Geschichte der Arbeit wurde auch die geliebte Margaret Thatcher erwähnt, die dem Punk erst zum Erfolg verhalf und die Ära der Selfishness ins Leben rief, quasi ein Vorbote der Selfie-Sadness und der potenziellen AI-Einsamkeit, zu finden in der filmischen Darbietung von „Her“. Das kapitalistische Subjektivitätsmodell launcht neue Produkte so effektiv wie die Autoindustrie neue SUVs.

Auf die Definition von Arbeit ist in der Diskussion auch eingegangen worden. Wissenschaftlich relativ klar: Arbeit ist Kraft mal Weg. Es kann natürlich ohne einen geldwerten Vorteil entrichtet werden, auch wenn Cash auf dem Konto das gängigste Resultat ist. Schön finde ich Holm Friebe’s Ansatz: Arbeit ist etwas Gutes in der Welt zu hinterlassen ohne dabei zu verelenden. Hier lässt sich im aktuellen Kontext gerne „etwas Gutes“ weiter erkunden.

Denn die Sharing-Economy ist eher fake als gut, sie lässt sich vom Kapitalismus vereinnahmen, ob Uber oder Airbnb, dahinter stecken keine Genossenschaften, die zum Wohle der Gemeinschaft handeln oder die Armut abschaffen wollen. Sie ermöglichen Zusatzverdienste von Mikrounternehmern, die ihre Autos oder Wohnungen zeitabhängig vermieten; wohlwollende Sharing-Eigentümer der Plattformen obliegen den Mechanismen des Risikokapitals und dem Druck der omnipräsenten Skalierung. Und sie schaffen sich ihre eigene, jetzt kommt nochmal Mikro ins Spiel, mikrogranulare Intransparenz.

Dieses Pendeln zwischen großen Strukturen des gleichen Mainstreams und unabhängiger Selbstermächtigung im Kollektiv der Vielfalt ist analog zum Pendeln zwischen Privatem und Öffentlichem, welches Hegel das menschliche Bewusstsein schlechthin nannte. Ich glaube der Fokus sollte in der besseren Vernetzung des Kollektivs der Vielfalt liegen, damit wir der kapitalistischen Selfie-Bequemlichkeit mit einer unabhängigen Sharing-Economy begegnen und Fakten schaffen, die gutes Handeln positiv beeinflusst.

Schalen des Gründergeists

„Der Standort passt zu einem Fintech-Unternehmen: eine Fabrikhalle im rustikalen Kölner Stadtteil Mülheim….Auch wenn die Fabrikhalle und die legere Kleidung der Unternehmensgründer die für die Fintech-Szene typische Aufbruchstimmung vermittelt….wir sind keine ehemaligen Fahrradkuriere mit Kuhfelltaschen.“

Das sind nur ein paar Wörter aus dem Artikel in der FAZ über die digitale Kreditvergabe-Plattform firstwire, in der es fast nur ums Äußerliche geht: Der Bekleidung von sich und anderen, dem Alter, Standort sowie dem Innenraum des Büros – ein oberflächliches Urteilen par excellence.

Es stimmt mich immer wieder traurig wenn Gründer und Redakteure oberflächlichen Merkmalen so viel weiße Fläche schenken. Was verändert firstwire wirklich mit der Plattform? Brauchen wir mehr Schuldenvergabe? Wer sind die Gründer als Menschen? Was ist ihre Finanzierungsstrategie? Haben sie eine Vision oder einen Hund? Wo ist etwas auffällig gekritzeltes an der Wand?

Die Lösungen für den fehlenden Gründergeist in Deutschland liegen meines Erachtens weniger in staatlichen Fördermitteln, Risikokapital, der Vermeidung von Unsicherheitsvermeidungsstrategien oder introvertierten Tüftlern als Vermarktungsgenies.

Es sind die steifen kulturellen Codes der Bürokratie im Kopf: Die Abgrenzung zu Fahhradkurieren, am Alten oder dem Alter festhalten, dem Neuem kritisch gegenüber stehen, dem fehlenden Optimismus, dem Besserwessi und der Glaube, dass ein uniformes Äußeres seriös ist, ein Kapuzenpulli den Träger legerer macht und mittelmäßig kopiert besser als innovativ probiert ist.

Berlin ist anders, das Äußere zählt fast nicht, deine Haltung schon oder du bist gerade auf der Fashion Week.

Homöopathische Dosen der Homogenität

„Etwas martialisch zu fordern kennt man aus Bayern, aber nicht aus Berlin…Ich habe mich nie an Diskussionen über Quoten und Obergrenzen beteiligt.“ – Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

Auch wenn unser Berliner Bürgermeister etwas blaß auf der Oberfläche aussieht, den Müller aus Tempelhof würde ich nicht unterschätzen, er steht für den Geist von Berlin als Ort in dem jeder Mensch erst mal willkommen ist. Früher waren es die Hugenotten, feudale Steuerflüchtlinge und heute sogar Amerikaner, die vor Trump oder der Ungerechtigkeit flüchten und ja, Berlin nimmt sogar Menschen aus Oberbayern auf.

Hier steht immer noch „Mach Dein Ding“ auf fast jeder Stirn. Soziale Banden der materiellen Homogenität gibt es nur in homöopathischen Dosen. Es ist ok wenn manche Menschen das vergleichende, anhaftende Gleiche wollen, vielleicht finden sie südlich der Elbe eher Gleichgesinnte.

via Tagesspiegel

DEL Winter Game 2017


In Kanada bekommt jeder neugeborene Mensch im Kreissaal einen Schläger und womöglich Schlittschuhe direkt in die Hände gedrückt. Sie leben die Ursprungsform des Eishockey, dem Spielen auf zugefrorenen Wasser in der Natur, gerne auch mit einem Helikopter.

Diesen Samstag kann sich Sinnsheim in die Riege der Winter Classics einreihen. Mit dem mittlerweile dritten DEL Winter Game in Deutschland, der Hommage an die Ursprungsform, spielen die Adler Mannheim und Schwenninger Wild Wings im Stadion der TSG Hoffenheim vor über 30.000 Zuschauern.