DEL Winter Game 2017


In Kanada bekommt jeder neugeborene Mensch im Kreissaal einen Schläger und womöglich Schlittschuhe direkt in die Hände gedrückt. Sie leben die Ursprungsform des Eishockey, dem Spielen auf zugefrorenen Wasser in der Natur, gerne auch mit einem Helikopter.

Diesen Samstag kann sich Sinnsheim in die Riege der Winter Classics einreihen. Mit dem mittlerweile dritten DEL Winter Game in Deutschland, der Hommage an die Ursprungsform, spielen die Adler Mannheim und Schwenninger Wild Wings im Stadion der TSG Hoffenheim vor über 30.000 Zuschauern.

Jetzt kommen die goldenen Wüstenritter

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Es ist vollbracht. In der Wüste Nevadas wird nächste Saison Eishockey auf höchschtem Niveau gespielt. Lange wurde spekuliert wie die Mannschaft denn nun heißen soll. Vielleicht die Wüstenfüchse oder gar die einarmigen Banditen? Am Ende sind es die Vegas Golden Knights geworden. Dank des ehemaligen Staatskonzerns haben die goldenen Ritter sogar eine eigene T-Mobile Arena.

Ritter auf Eis gibt es auch woanders, in LondonVermont und Potsdam. Mit den Ice Knights habe ich ganz gute Erfahrungen gemacht, ein Jahr vor Y2K bin ich Meister von dem Ganzen in Nordamerika gewesen, mit der College Mannschaft in Vermont.

Der Besitzer hat netterweise 500 Millionen Dollar für die Lizenz hingeblättert und wollte erst Schwerter ins Logo packen und Black Knights daraus machen. Das war der NHL zu heikel, es durften auch keine Referenzen zu Vegas als Hauptstadt der Sünde oder zu den Casinos haben. Gold scheint ja auch und lässt sich in Scheine umwandeln. Wenn ich mir die Farben so anschaue, hat es auch ein bisschen was von schwarz, rot und gold.

 

Hey, wir wollen die Eisbären sehen

Die wohl mit Abstand beste Einlaufshow der Welt ist die der Eisbären Berlin: „Hey, wir wollen die Eisbären sehen“ haben die Pudhys für den EHC geschrieben, nur mal so.

Am Samstag ist es wieder soweit, die Eisbären starten ihre Saison in der Champions Hockey League (CHL) gegen die ZSC Lions in der Arena am Ostbahnhof. Der DEL Rekordmeister hat es geschafft aus dem Welli in Hohenschönhausen nach Friedrichshain zu ziehen und jedes Jahr die meisten Zuschauer der Liga ins Stadion zu locken. Auch die Kooperation mit dem Eigentümer Anschutz, dem die LA Kings, die Kicker der LA Galaxy und die Hamburg Freezers gehören, haben die Internationalität und den Wissensaustausch immens gefördert. LA und Berlin sind sowieso schon Schwesterstädte.

Ich hoffe, dass der Trainer Uwe Krupp, Stanley Cup Champion 1996, auf den Erfolg der vergangenen Jahre aufbauen kann und auch im Eishockey-Europapokal die Eisbären nach vorne bringt. Im Sommerinterview ist er mit der Kondition und den Grundlagen der Spieler für die neue Saison zufrieden. Das Trikot für die CHL sieht schon mal ganz schick aus.

Ich will nicht mehr füßeln

Eishockey in Deutschland ist immer noch ein Schatten seiner selbst. Nicht nur sportlich, auch finanziell. Der Deutsche Eishockey Bund (DEB) bringt es fertig nach einer erfolgreichen Heim-WM in 2010 und sprudelnden Einnahmen, dem Weltrekordspiel vor 77.803 Zuschauern auf Schalke, in die finanzielle Schieflage zu kommen.

Und das obwohl die Entwicklung eigentlich positiv ist. Zuschauerzahlen zeigen nach oben. Leon Draisaitl  ist das größte deutsche Talent seit Jahren und versucht sein Glück aktuell in den USA. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ist weltweit die Nr. 3 was die Zuschauer in den Stadien angeht. Direkt hinter dem Fußkontaktsport lockt Eishockey die meisten Zuschauer in die Hallen Deutschlands. Und wenn es sein muss, kommen zu einem Lokalderby zwischen der Düsseldorfer EG und den Kölner Haien mal eben 51.125 Eishockey Fans ins Stadion.

Es wird Zeit, dass sich das Interesse der deutschen Fans am Eishockey in sportliche und finanzielle Erfolge umsetzen lässt. Es wird auch Zeit, dass der Fußkontaktsport, quasi deutscher Ersatznationalstolz, aus der Dauerschleife von Berichterstattungen und Talkshow-Analysen sich um den eigenen Kreis heraus dreht und Eishockey seinen Platz in der Aufmerksamkeitsökonomie einnimmt. Entwicklungshilfe kommt jetzt von der Telekom und Sport 1. An anderer Stelle gibt unser heißgeliebter öffentliche-rechtliche Rundfunk Geld für das „Musikantenstadl“ oder „Das große Schlüpfen“ aus und verschwendet kostbare Sendezeit für eine alternde Zielgruppe.

Wenn Eishockey so viele Menschen in die Stadien locken kann, lassen sich bestimmt mehr junge Menschen inspirieren, die schnellste und härteste Mannschaftssportart der Welt zu lernen um irgendwann den ersten WM-Titel klar zu machen, Olympia Gold zu holen oder die DEL Meisterschaftsschale in der Hand zu halten. Ich bin guter Dinge, wir stehen am Anfang.