Tagesspiegel Berliner #2

Futurezone.de läuft

Seit gestern gibt es noch eine Tech-News-Plattform in deutscher Sprache. Halt, so einfach ist es nicht. Futurezone.de ist eine österreichische/deutsche Kooperation der Futurezone und Funke Digital mit Redaktionssitz in Berlin. Spannend ist das Team dahinter, zwei Frauen, die der männerlastigen Tech-News-Domäne einen frischen, neuen Anstrich verleihen, danke dafür und viel Erfolg!

Skalierung der digitalen Bohéme


Illustration: Susann Massute

In nur 10 Jahren haben sich die freiberuflichen Mikrounternehmer in Deutschland verdoppelt und Berlin bleibt auch deren Hauptstadt. Auf einer PowerPoint Folie lässt sich das super schick darstellen, es wird mal wieder ordentlich skaliert!

Ich war letzte Woche in der Kopenhagenerstrasse und habe mir den Vortrag und die Diskussion zur Lage der digitalen Bohéme angehört. In Anlehnung an das zehnjährige Jubiläum des Buches „Wir nennen es Arbeit“ waren auch die Autoren Friebe und Lobo körperlich und geistig anwesend. Timo Daum reihte seinen Vortrag an seine schriftlichen Gedanken an und fragte uns, ob der Kapitalismus nur seine Krisen besser managed und sich an Stew Albert besinnt:

„Socialism in one person! But that of course is capitalism.“

Timo erwähnte auch Janina Kugel, Siemens Personlachefin, die heutzutage davon redet wie wichtig das Individuum ist und dessen Selbstverwirklichung, denn wer selbstbestimmt arbeitet ist auch produktiver! So finden sich Ideen der digitalen Bohéme in der Sprache eines Corporate-Tankers, die von den flexiblen Arbeitszeitmodellen der Mikrounternehmer gerne etwas abhaben wollen.

In der Geschichte der Arbeit wurde auch die geliebte Margaret Thatcher erwähnt, die dem Punk erst zum Erfolg verhalf und die Ära der Selfishness ins Leben rief, quasi ein Vorbote der Selfie-Sadness und der potenziellen AI-Einsamkeit, zu finden in der filmischen Darbietung von „Her“. Das kapitalistische Subjektivitätsmodell launcht neue Produkte so effektiv wie die Autoindustrie neue SUVs.

Auf die Definition von Arbeit ist in der Diskussion auch eingegangen worden. Wissenschaftlich relativ klar: Arbeit ist Kraft mal Weg. Es kann natürlich ohne einen geldwerten Vorteil entrichtet werden, auch wenn Cash auf dem Konto das gängigste Resultat ist. Schön finde ich Holm Friebe’s Ansatz: Arbeit ist etwas Gutes in der Welt zu hinterlassen ohne dabei zu verelenden. Hier lässt sich im aktuellen Kontext gerne „etwas Gutes“ weiter erkunden.

Denn die Sharing-Economy ist eher fake als gut, sie lässt sich vom Kapitalismus vereinnahmen, ob Uber oder Airbnb, dahinter stecken keine Genossenschaften, die zum Wohle der Gemeinschaft handeln oder die Armut abschaffen wollen. Sie ermöglichen Zusatzverdienste von Mikrounternehmern, die ihre Autos oder Wohnungen zeitabhängig vermieten; wohlwollende Sharing-Eigentümer der Plattformen obliegen den Mechanismen des Risikokapitals und dem Druck der omnipräsenten Skalierung. Und sie schaffen sich ihre eigene, jetzt kommt nochmal Mikro ins Spiel, mikrogranulare Intransparenz.

Dieses Pendeln zwischen großen Strukturen des gleichen Mainstreams und unabhängiger Selbstermächtigung im Kollektiv der Vielfalt ist analog zum Pendeln zwischen Privatem und Öffentlichem, welches Hegel das menschliche Bewusstsein schlechthin nannte. Ich glaube der Fokus sollte in der besseren Vernetzung des Kollektivs der Vielfalt liegen, damit wir der kapitalistischen Selfie-Bequemlichkeit mit einer unabhängigen Sharing-Economy begegnen und Fakten schaffen, die gutes Handeln positiv beeinflusst.

Berlinerin kauf!

Stadtmagazine gibt es Berlin. Es gab auch Versuche mit The Greatest eine Nische in der Nische zu finden. Jetzt versucht die Berlinerin Kaufimpulse an Frauen zu vermitteln, die abseits von den ökonomischen Nischen Xhains oder Neuköllns zu finden sind.

Mein erster Eindruck ist, dass es eine Nische für kaufkräftige Frauen in Berlin gibt, aber ich bin mir nicht sicher ob es reicht. Auf dem Kudamm, der Friedrichstrasse und in Teilen Prenzlauer Bergs sind bestimmt Käufer am Kiosk zu finden. Vielleicht überzeugt das Magazin auch Frauen in Düsseldorf, München oder Frankfurt, die den „Berlin-Style“ suchen.

via Kress

China auf Deutsch

21china

Heute erscheint ein neues deutschsprachiges Print Magazin über China: 21 CHINA. Inhaltlich geht es darum Menschen aus China zu porträtieren, die in Kultur und Wirtschaft etwas bewegen. Als journalistische Stilform bilden Interviews das Rückgrat des Magazins. Ist ein relevanter und zeitgemäßer Ansatz um auch mein einseitiges Bild von China zu verfeinern. Viel Glück.

Qualität versus Tricks

Eigentlich ist es Zeit für eine Suchmaschine, die weg von Klicks und Tricks Inhalte findet und tatsächlich für den Suchenden relevant ist. Der Head of Inhalte bei sueddeutsche.de fragt sich warum Verlage (plus sueddeutsche.de) den Journalismus vernachlässigen.

via Stefan Plöchinger

/// Ergänzung zu  dieser Serie zu Qualität im Onlinejournalismus ///

Wir Journalisten haben uns angewöhnt, den Erfolg in unserer Branche nicht mehr journalistisch zu beurteilen, sondern zu messen. Die Auflage der Zeitungen, die Quote der Radio- und Fernsehsender, die Zahl der Klicks, Besuche und Besucher der Nachrichtenseiten – diese Zahlen wirken überzeugend, absolut, unangreifbar. Jeden Monat werden diese Reichweiten von den Fachdiensten verbreitet, und dann wird abgerechnet: Wer ist Top, wer ist Flop? Wer ist der Beste und Größte?

Die Frage, wer seine Leser klüger macht und wer dümmer, wäre zweifellos manchmal interessanter. Darüber können die Fachdienste nicht so leicht schreiben, denn man muss dann hinter die Zahlen schauen, was länger dauert: auf das, was Journalismus eigentlich ausmacht, auf die Fähigkeit einer Publikation zum Einordnen, Erklären und Hinterfragen.

Und gelegentlich muss man auch die Zahlen selbst einordnen, erklären und hinterfragen.

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