John Perry Barlow lebt im Cyberspace

Einer der wichtigsten Internet-Pioniere, John Perry Barlow, ist in seinem Schlaf an einem Herzversagen gestorben.

Als Mitgründer der Electronic Frontier Foundation, Songwriter für die Grateful Dead und seiner Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace wird er als liberaler Bürgerrechtler aus dem Cyberspace der Menschheit für immer erhalten bleiben.

Vor 7 Jahren hatte ich die Chance im Crackers, ein ehemaliger Club in der Heidestraße, für 10 Minuten mit ihm zu sprechen. Ich wollte ihn als Speaker für die re:publica empfehlen, weil ich dachte, dass er dort interessierte Zuhörer finden würde.

John stellte schon früh spirituelle Fragen zu diesem neuen Ort als Unort, dem Nichts des Körpers, er war optimistisch und reflektiert; seine Unabhängkeitserklärung aus dem Jahre 1996 ist nach seiner Trennung von Körper und Geist mindestens genauso relevant.

Unsere persönlichen Identitäten haben keine Körper, so daß wir im Gegensatz zu Euch nicht durch physische Gewalt reglementiert werden können. Wir glauben daran, daß unsere Regierungsweise sich aus der Ethik, dem aufgeklärten Selbstinteresse und dem Gemeinschaftswohl eigenständig entwickeln wird.

via heise

Eisbären sonnen sich in Los Angeles

Nachdem die Eishockey-Nationalmannschaft ihr einziges Vorbereitungspiel für Olympia mit 2-1 gegen die Schweiz gewonnen hat, gehts für die meisten Vereine der DEL in der Spielpause eher ruhiger zu.

Ein kleines Exportpflänzchen wagen die Eisbären Berlin. Sie nutzen die Zeit in Kalifornien bei ihrem Bruderverein der LA Kings als einwöchiges Trainingslager inklusive einem Testspiel gegen das Farmteam der kalifornischen Könige, der Ontario Reign.

Das ist alles ein absolutes Novum für eine deutsche Eishockeymannschaft, in den USA und im Sonnenscheinstaat zu trainieren und spielen. LA und Berlin sind seit 1967 schon städtepartnerschaftlich verbunden und dank Wowi verstärkt in der Filmbranche kooperativ.

 „Sportlich gesehen ist es ein guter Trip für uns, sicherlich auch für den mannschaftlichen Zusammenhalt. Wir sind nicht im Urlaub da, sondern zum Training und es wird ein gutes und interessantes Spiel gegen Ontario“. – Eisbären-Chefcoach Uwe Krupp.

via hockeyweb

Halt Dich an Deiner Marke fest

Das unsichtbare Mitgefühl mit dem wir nonverbale Handlungen ausüben, welches unser Universum zusammen hält, wird immer überleben wenn wir die verbale Abnutzung und der konsumistischen Vereinleibung als überzeugte Verbraucher mit authentischer Haltung sogannante „Love Brands“ einfach ignorieren.

via One to One

Endlose Effizienz ohne Lust


Photo via Paul S.

„Wenn die Frage, wofür es sich zu leben lohnt, nicht beantwortet sei, komme es zur Ausbildung von Ressentiments: Ich sehe dann in den anderen nur etwas, was ich selbst nicht haben kann, den endlosen Genuss“. – Johanna Montanari

Mit der Überpräsenz äußerlicher Handlungen im Alltag verlieren wir die Fähigkeit den inneren Genuss im Hier und Jetzt zu leben. Bob Thurman stellte sich bei Ted mal die wunderbare Frage: Wenn wir eine schöne Zeit haben, wie lange wird die schöne Zeit schön sein und wieviel schön ist schön genug?

Im Anderen etwas sehen was einem selber fehlt scheint der essentielle Motor unserer verblendeten Konsumgesellschaft zu sein. Ohne den Antrieb dieser äußerlichen Illusion würden die meisten Geschäftsmodelle sofort in sich zusammen fallen. Kräfte wären frei gesetzt und areale in unserem Gehirn aktiviert, die der hellen Macht nahe stehen, es wäre sofort Platz frei für Geisteshandlungen, die der spirituellen Evolution mehr Zeit schenken.

Im Buch „Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur“ argumentiert der Philosoph Robert Pfaller, dass wir nur noch um Anerkennung kämpfen, aka Likes statt um Lust, was auch damit zu tun hat, dass Effizienzdenken über alles gestellt wird, nur, wer will schon effiziente Lust?

via der Freitag

Paprika Chips sind auch keine Lösung


Photo via Jessica and Lon Binder

Das muss in der 6. Klasse gewesen sein als ich drei Jahre in der Quadratenstadt Mannheim die Schulbank drückte. Im Kiosk meines Vertrauens gabs in der großen Pause saure Zungen und auf dem Weg nach Hause manchmal eine Tüte Paprika Chips.

Zur Auswahl standen im Regal ganze drei Sorten Paprika, das wars. Sour Cream Whiskey oder Kürbis Orange wären unglaubwürdige Zukunftsvisionen gewesen. Die gute alte Paprika hatte eine absolute Monopolstellung, das orangefarbene Gewürz musste sich vor niemandem rechtfertigen, die miefige Wessi-BRD war sich sicher, Chips sind orange, ich habe fertig.

Telefonieren organisierte im Alleingang die Deutsche Post. Ich kann mich noch an die kryptischen Fetznetz Rechnungen erinnern. Telekom hilft wirkt heute wie eine Ironie der Geschichte. Sie waren Nutznießer im Kosmos des Wessi-Kommunismus. Geklonte Staatsunternehmen, im Geiste der Lufthansa oder Bahn ohne wirklichen Dienstleistungsdruck und dem Atem des Verbrauchers am Hinterkopf, zählten munter ihre Einnahmen.

In die Glaskugel schauen ist kein Dieselmotor. Wir sind uns immer gleich so sicher obwohl wir garnichts Wissen. ISDN wäre fast das schnellste Internet der Welt geworden. Michel Houellebecq stilisierte glatte Broschüren deutscher Autohersteller als Fiktion der Vernunft. Nur ein Komödiant mit Doktortitel kann seriös sein; es muss sich alles ableiten können, über uns selber lachen macht überhaupt keinen Sinn und die Zukunft überlassen wir lieber anderen, dafür empfehle ich weiterhin, dass wir alle erdenklichen Prozesse in der Gegenwart optimieren.

„Das Internet wird kein Massenmedium, weil es in seiner Seele keines ist“. – Zukunftsforscher Matthias Horx, 2001

Berlin is so Open Stunden


Wenn Open dann Stunden. Ich kann dies gerne als alternatives Kampagnen-Motto für Berlin 365/24 anbieten, auch wenn Open Stunden in der Marienburger Straße ein Anzeigen-Missverständnis sein muss, nach 22 Uhr übernehmen Lärmspießer als Minderheit für die Mehrheit

Warum wir keine guten Führer sind

„Es gab Zwänge, denen du dich nicht entziehen konntest. Das war natürlich traurig und ein Bestandteil eines falschen Systems. Und: Es war auch alternativlos“. – Matthias Sammer

Ich habe mich gestern Abend mit einem Österreicher über den zunehmenden, verkappten Fascho-Konservatismus in der Politik unterhalten und warum ein Kanzler Kurz, der die sozialen Systeme aushöhlen will, fürs nichts steht außer ein bisschen nett hetzen und Geld verdienen.

Matthias Sammer ist zwar kein Fascho, aber ein anpassungswilliger Systemopportunist ohne Haltung, der das DDR-System für seine freiwillige Mitarbeit bei der Stasi verantwortlich macht und als Karriere-Chamäleon seine eklatante Führungsschwäche sowie ein fehlendes, individuelles Verantwortungsbewusstsein zeigt.

Die Liste lässt sich bis zum ehemaligen VW-Häuptling Martin Winterkorn weiter führen, Bonihasen, die keine individuelle Verantwortung übernehmen. Alternativ hätten wir noch Wendehälse à la Angela Merkel, die zu 70% aus Opportunismus in der FDJ waren und jede beliebige Fahne aufs Dach hissen solange es gerade systemisch zum eigenen Vorteil passt.

Uns bleibt nur die Chance unseren, eigenen Willy Brandt in die Welt zu lassen oder den Franzosen das Ruder für Europa zu übergeben.

via T-Online