Neue von Ohains


Hans Joachim Pabst von Ohain war der Ko-Erfinder des Düsentriebs

Sind wir nur willige Kopierer ohne Haltung, die mit allen Mitteln den kürzesten Weg suchen um die maximale Opportunität rauszuholen?

Ob im taktischen, flipfloppigen Schleichgang à la Merkel oder mit krimineller Innovationsverweigerung deutscher Autohersteller, wir verwalten gerne das Alte und bedienen damit das Klischee von Unsicherheitsvermeidungsstratgien deutscher Kulturcodes.

Solange es wirtschaftlich läuft ist der Wille zur Veränderung schwach. Was wir brauchen sind neue von Ohains, die alles für ihre Vision riskieren und dafür Spott und Neid von Pessimisten ertragen müssen, dafür ohne flipfloppiger, krimineller Energie.

Planet Erde braucht nicht nur neue Antriebe in der Luft und auf dem Land sondern auch positive Energie für Utopien des Zusammenlebens, einer Reorganisation von Arbeit und Freizeit, einer Politik von Teilhabe und Verantwortung sowie Unternehmen mit Produkten und Dienstleistungen, die die Welt wirklich braucht.

Sollte das alles zu lange dauern höre ich unsere Kinder schon sagen: Ist doch klar, wer zulange in den Selfie-Stream schaut fällt irgendwann in den Brunnen.

Veränderungsverwaltung

Ein Bekannter von mir ist gerade dabei eine neue internationale „Crowd“ aufzubauen, dabei ist ihm die deutschsprachige Gruppe eher negativ aufgefallen, denn sie haben als einzige Kraut die Deadline zur Abgabe ihrer aller ersten Aufgabe nicht eingehalten.

Nanu, Verbindlichkeit ist eigentlich eher eine gewohnte Tugend aus deutschsprachigen Kultur-Codes, nur wenn es um Veränderung geht schauen wir erst mal zu was die Anderen so machen und warten ab, quasi die Merkelbremse in uns allen, dann sind wir total unzuverlässige, taktierende Zuschauer bevor wir der Herde folgen.

Ich wünsche mir keine falsche Verbindlichkeit des Terrors im Geiste von Goldhagen bei dem systemopportunistisch gehandelt wird. Denn leider wird das Verwalten von Prozessen eher gesellschaftlich goutiert als mutige, eigenständige, innovative Veränderungen. Nicht ohne Grund sind wir keine digitalen Führer sondern eher willige Kopierer mit ganz viel Verwaltung ohne Haltung.

Ich wünsche mir mehr Lilienthals und Brandts in uns allen damit wir in Zukunft auf der richtigen Seite der Geschichte stehen und nicht wieder auf der Falschen. Das mit der Verwaltung von Prozessen ist ja dann ganz einfach.

Das Wunder von der Küste

Bremerhaven erfindet sich neu. Mit dem kleinsten Etat der DEL haben die Neulinge der Liga, die Fischtown Pinguins, in ihrer ersten Saison die Playoffs errreicht und starten heute gegen den ERC Ingolstadt.

Lange war die Stadt im Umbruch. Mittlerweile erfinden sich der Hafen und die Innenstadt neu. Arbeitsplätze sind geschaffen worden, dank der Windenergie und dem Export von Autos. Die Fischtown Pinguins tragen einen stolzen Teil dieses neuen Selbstbewussteins der Hafenstadt.

Beim Wunder von der Küste spielt auch Berlin eine Rolle. Trainer Thomas Popiesch, einst talentierter Spieler beim damaligen Dynamo Berlin und DDR-Republikflüchtling, hat ein Team geformt, dass sogar zweimal beim Meister EHC München gewann.

Bremerhaven ist eine riesige Bereicherung für den deutschen Eishockey. Der Erfolg ist so süß weil mit relativ wenigen Mitteln das beste Resultat erzielt wurde, authentisch und nordisch gelassen.

Ich will nicht mehr füßeln

Eishockey in Deutschland ist immer noch ein Schatten seiner selbst. Nicht nur sportlich, auch finanziell. Der Deutsche Eishockey Bund (DEB) bringt es fertig nach einer erfolgreichen Heim-WM in 2010 und sprudelnden Einnahmen, dem Weltrekordspiel vor 77.803 Zuschauern auf Schalke, in die finanzielle Schieflage zu kommen.

Und das obwohl die Entwicklung eigentlich positiv ist. Zuschauerzahlen zeigen nach oben. Leon Draisaitl  ist das größte deutsche Talent seit Jahren und versucht sein Glück aktuell in den USA. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ist weltweit die Nr. 3 was die Zuschauer in den Stadien angeht. Direkt hinter dem Fußkontaktsport lockt Eishockey die meisten Zuschauer in die Hallen Deutschlands. Und wenn es sein muss, kommen zu einem Lokalderby zwischen der Düsseldorfer EG und den Kölner Haien mal eben 51.125 Eishockey Fans ins Stadion.

Es wird Zeit, dass sich das Interesse der deutschen Fans am Eishockey in sportliche und finanzielle Erfolge umsetzen lässt. Es wird auch Zeit, dass der Fußkontaktsport, quasi deutscher Ersatznationalstolz, aus der Dauerschleife von Berichterstattungen und Talkshow-Analysen sich um den eigenen Kreis heraus dreht und Eishockey seinen Platz in der Aufmerksamkeitsökonomie einnimmt. Entwicklungshilfe kommt jetzt von der Telekom und Sport 1. An anderer Stelle gibt unser heißgeliebter öffentliche-rechtliche Rundfunk Geld für das „Musikantenstadl“ oder „Das große Schlüpfen“ aus und verschwendet kostbare Sendezeit für eine alternde Zielgruppe.

Wenn Eishockey so viele Menschen in die Stadien locken kann, lassen sich bestimmt mehr junge Menschen inspirieren, die schnellste und härteste Mannschaftssportart der Welt zu lernen um irgendwann den ersten WM-Titel klar zu machen, Olympia Gold zu holen oder die DEL Meisterschaftsschale in der Hand zu halten. Ich bin guter Dinge, wir stehen am Anfang.

Krautreporter ist dann mal Online

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So sieht Tag 1 in der Artikelansicht aus

Heute ist der mutige, werbefreie, Krautreporter, das erste Crowdfunding-Projekt im deutschen Journalismus, live gegangen, chapeau! Ich finde jeden Beitrag zur Meinungsvielfalt, den Versuch sich von der Zwangs-GEZ oder den Journalismus von PR zu befreien, großartig und wünschenswert. In Zeiten von fallenden TKP-Preisen, blinden Buchungsnetzwerken, Keyword-Bingo und subtilen Unternehmensinhalten, erscheint mir der Krautreporter als ruhendes, notwendiges Segelschiff.  Bleibt unabhängig und zeigt den Pessimisten deutscher Kultur-Codes was alles möglich ist. Die 60 Euro Jahresmitgliedschaft ist die aktuell, beste Investition in die Freiheit des digitalen Journalismus.