Endlose Effizienz ohne Lust


Photo via Paul S.

„Wenn die Frage, wofür es sich zu leben lohnt, nicht beantwortet sei, komme es zur Ausbildung von Ressentiments: Ich sehe dann in den anderen nur etwas, was ich selbst nicht haben kann, den endlosen Genuss“. – Johanna Montanari

Mit der Überpräsenz äußerlicher Handlungen im Alltag verlieren wir die Fähigkeit den inneren Genuss im Hier und Jetzt zu leben. Bob Thurman stellte sich bei Ted mal die wunderbare Frage: Wenn wir eine schöne Zeit haben, wie lange wird die schöne Zeit schön sein und wieviel schön ist schön genug?

Im Anderen etwas sehen was einem selber fehlt scheint der essentielle Motor unserer verblendeten Konsumgesellschaft zu sein. Ohne den Antrieb dieser äußerlichen Illusion würden die meisten Geschäftsmodelle sofort in sich zusammen fallen. Kräfte wären frei gesetzt und Areale in unserem Gehirn aktiviert, die der hellen Macht nahe stehen; es wäre sofort Platz frei für Geisteshandlungen, die der spirituellen Evolution mehr Zeit schenken.

Im Buch „Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur“ argumentiert der Philosoph Robert Pfaller, dass wir nur noch um Anerkennung kämpfen, aka Likes statt um Lust, was auch damit zu tun hat, dass Effizienzdenken über alles gestellt wird, nur, wer will schon effiziente Lust?

via der Freitag

Das Kapital sind wir


Fast alle stolzen Teiler haben Sonnenbrillen auf, das Wetter war gut

Ich bin so unheimlich stolz darauf, dass ich Daimler mein Geld geben darf um deren datenwütig sammelnden Autos zu teilen, es passt einfach zu mir. Ich habe gleich alle meine echten Facebook-Freunde eingeladen um vor dieser einzigartigen Carsharer-Karre zu posen. Jeder Mensch ist ein Künstler!

Danach haben wir zusammen an einer Gulaschkanone Eintopf gekocht und sind mit vollem Magen in einer Sharing-Kolonne durch das Bankenviertel gefahren, mit car2go Flaggen natürlich! Ich überweise so gerne total freiwillig und autark mein Geld fürs Carsharing an nur einen einzigen schwäbischen Konzern und deren Aktionäre.

Völlig freiwillig habe ich mir auch Timo Daum zur Skalierung der digitalen Bohéme in der Panke angehört und konnte den Ausführungen von Stew Albert’s „socialism in one person, but that of course is capitalism!“ folgen.

Nun ist seine Flugschrift „Das Kapital sind wir. Zur Kritik der digitalen Ökonomie“ erschienen, mit der Daum seine Thesen weiter ausführt und die kommerzielle Vereinleibung der Schein-Sharer von sozialen Beziehungen benennt um diese Ambivalenz klarzustellen.

Zwar ermöglicht die digitale Vernetzung einen freien Austausch, jedoch werden gleichzeitig soziale Beziehungen ausgebeutet. Auch bei den scheinbar demokratisch organisierten Plattformökonomien bleibt das Streben nach Profit zentral, wie Daum, der über zwei Jahrzehnte Berufserfahrung in der IT-Branche verfügt, überzeugend darlegt.

via der Freitag