Betrug als Doku in Schwabing


Was ist echt und was ist tatsächlich wichtig? Bastian deckt es auf.

Im homogenen, weißen Ghetto von München-Schwabing, wo oberflächliche Äußerlichkeiten und spirituelle Armut einen hohen sozialen Stellenwert haben, schafft es ein Zugezogener namens Bastian, die Eltern einer Kita unbewusst den Spiegel vorzuhalten und sich als Finanzvorstand an der Kasse des Kindergartens zu bereichern.

Dieser wunderschön inszenierte Dokumentarfilm „Betrug“ von David Spaeth ist so ambivalent und amüsant zugleich, weil mir der Hochstapler als Zuschauer sympathischer ist, auch wenn sein Akt des Bereicherns aus der Kitakasse straffällig ist.

Eine Schlüsselszene spielt sich bei Bastian Zuhause ab. Unwissend fressen sich die Eltern selber und huldigen gleichzeitig den Statusschein Bastians. Er lädt die Eltern zu sich ein, dabei wird Champagner und Kaviar mit dem geklauten Geld der Eltern serviert. Ein Elternteil ist so angetan davon und wünscht sich die Zukunft immer so, Basti lädt mit Champagner und Kaviar ein.

Durch diesen Selbstbetrug und der wunderbaren Ambivalenz des gefressen werdens stellt sich die Frage wer hier eigentlich wen betrügt oder wie einfach und oberflächlich Menschen zu beeindrucken sind? Und warum haben alle Eltern graue Sofas? Vielleicht ist es die fehlende Reflexion des eigenen, inneren Leidens? Erzeugt diese Leere gerade genug Unzufriedenheit um sich lieber in faulen Konsum zu flüchten? Und ist das oberflächliche Urteilen über andere ein unischerheitsvertuschen dieses Mankos?

via ARD Mediathek

Den Kuchen alleine essen

Jedes Mal wenn ich kurz davor bin eine allumfassende Lösung für die Menschheit im Journal of Science zu veröffentlichen, bleibe ich immer bei der vergleichenden Anhaftung in Kombination mit dem zähen Ego hängen.

Es scheint als wäre „Ich will den Kuchen selber essen obwohl ich ihn gar nicht alleine schaffe“ einfach zu hart in die menschliche DNA kodiert; evolutionär haben wir außer ein paar schöne Geschichten und Arbeit als bezahlte Nötigung wenig für erleuchtete Wesen aus dem Weltall im Angebot, ok, die Relativitätstheorie, Abwassersysteme und eine gerechte Judikative sind garnicht so schlecht.

Erst kommt das Fressen dann die Moral scheint eine unabdingbare, brechtsche Erkenntnis zu sein, die täglich reproduziert wird. Den Kuchen alleine essen als animalische Überlebensstrategie? Nur warum teilen dann Menschen mit wenig materiellem Eigentum meistens mehr? Fehlt uns die Machtlosigkeit des Geldes? Sind berechenbare, soziale Beziehungen mit einer Überdosis Eigennutz die Berliner Mauer des Fortschritts?

Wenn wir den anhaftenden Egokuchen mit oberflächlicher Distinktion und äußerlichen Bedingungen flankieren, geistern wir immer weiter mit sinnentleerten Lebensläufen durch die Weltgeschichte ohne jemals gewusst zu haben warum wir überhaupt hier sind und welcher Fortschritt an uns vorbei fliegt.

Mia san Normcore

Seitdem sich Bayern mit dem Polizeigesetz als neue Stasi Süd schmückt, bestätigen sich leider einige meiner persönlichen Erfahrungen mit ausgrenzenden, konservativen, kontrollwütigen und rassistischen Freistaatlern.

Meine Liste von eigens zwischenmenschlich Erlebten wird wissenschaftlich von dem was ich lese und höre wie ein Systemfehler reproduziert. Ich bin ja ein großer Freund davon Menschen zweite und dritte Chancen zu geben, aber irgendwann ist das Maß voll.

Stichwort repressive Drogenpolitik. In München gibt es mehr Drogentote als in anderen deutschen Großstädten, was vor allem daran liegt, dass drogenabhängige keine Lobby haben, keine Rückzugsorte, keiner will sie in der Öffentlichkeit sehen; sie sterben in dunklen Gassen und liegen meist viel zu lange tot herum.

Dann haben wir noch die Regelanfrage im Angebot, quasi ein Novum als einziges Bundesland in der deutschen Justiz, in der argumentiert wird, dass es darum geht extremistische Richter zu verhindern; antiliberal im Kern und Normcore par excellence.

Alles was sich außerhalb vom bayerischen Normcore bewegt ist suspekt und wird subtil ausgegrenzt oder als eigenwillig tituliert. Und um diese eigene Unsicherheit zu kaschieren wird immer darauf hingewiesen wie toll alles in Bayern ist.

Mir hat mal jemand erzählt, dass es eine inoffizielle Ironie-Grenze südlich von Frankfurt gibt, das kann gut sein. Zumindest ist es schier unwahrscheinlich mit Humor, Liebe und Spaß aus dem Münchner Umland gegen die AfD zu mobilisieren, gerade weil die alte Alternative um die Landeshauptstadt herum so stark gewachsen ist.

Auch der Mike, den ich unten zitiere sowie regelmäßig die SZ, bedient sich der Normcore-Logik gerne gegenüber dem Berliner Freigeist. Diesmal sind es die vielen Gegendemo-Mottos vom 27. Mai, unter anderem „Hass ist krass, Liebe ist krasser“, die als zu eigenwillig verstanden werden.

Es ist Politik-Sonntag in der Hauptstadt – wie sollte man sonst diesen etwas eigenwilligen Tag in Berlin nennen, der damit begonnen hat, dass die AfD ihn für sich zu beanspruchen versuchte.

via SZ

Too many apps on the dancefloor

Growing up as a kid in the States is difficult enough. Going wild on spring break is a valve gone burst due to years of control and repression.

You can’t drink until you’re 21 years old and you’ll need a paper bag to cover your beer in public. A whole lotta parents keep their teenagers on lock down before they move out. Moms and dads have mad limo driver skills, as they transfer their children from school, baseball practice and to the mall.

If you kiss in public, it’s safe to say that someone will tell you to get a room. Playgrounds are full of plastic fantastic, so nobody can sue anybody and kids don’t get hurt. Odds are high that you’re a late bloomer in America when it comes to being an independent, healthy, common sense human.

Freedom has a different connotation in real life than seen in the movies. Flirting can be a very subtle, ambigious thing. Yet, if you’re accustomed to be being controlled, carpooled and connected by your parents or other fear ridden adults, I’m not surprised that uConsent, an app for saying ok to sex was developed in Las Vegas.

„One of the dumbest uses of online technology the world has ever seen.“- Bob Hoffmann

via WSJ

Wasserlust Lychen

The Cool Quest tanzt in den Mai

Die Walpurgisnacht, einst Fest der Heiligsprechung für die christliche Dame Walpurga, hat den Weg zur kommerziellen Tanz- und Geselligkeit gefunden; in Nordeuropa gerne auch Tanz in den Mai gedubbed.

Berlin bildet in der Nacht und am Tag rund um den 1. Mai, zumindest in Deutschland den Anker für die meisten Aktivitäten. Ansonsten nutzen die meisten Menschen den Tag der Arbeit einfach als freien Tag für sich selber.

Danken dafür sollten wir den streikenden Arbeitern während der Haymarket Affair (1886) in Chicago sowie dem deutschstämmigen Journalist August Spies aus der Rhön, Sprecher der US-amerikanischen Arbeiterbewegung.

Historisches durfte ich dank Karten von Zitty beim Tanz in den Mai im Musik & Frieden erleben. Zusammen mit anderen Gleichgesinnten hat uns The Cool Quest mit einer Überdosis positiver Energie gezeigt welches musikalisches Live-Potenzial in der jungen holländischen Formation steckt.

Aktivistisches Potenzial lieferte am 1. Mai das Peng Kollektiv frei nach dem Motto „Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg“. Leider entwickelt sich der Tag der Arbeit in Kreuzberg zu einem enthistorisierten, unpolitischem Trink-Event, also ab in den Grunewald!

Eisbären can still be Kings

Crosscontinental sister cities Berlin and LA share the same owner with regard to their pro hockey teams.

I was lucky to have spent two semesters at USC, where I practiced with the Trojan’s hockey team and met a pivotal friend who now lives in Berlin; the City of Angels is part of my life experience’s DNA.

So it was harder for me to accept the Kings sweeping loss to the Golden Knights, who are already writing history, on and off the ice, with the world’s most entertaining pre-game show and rows of local fans who are embracing the first major sports team in Sin City.

Tonight, record champion Eisbären Berlin, who are down 2-1 in the finals against Munich’s caffeine water branded team, need a win to keep the series balanced. I can’t help to see David Foster Wallace’s Infinite Jest corporate subsidies analogy when I see the jersey.

The Ice Bears are big in Berlin, tickets for both final home games sold out in a few hours, fans showed up in yesterday’s local night show and even the LA King’s Bailey is game. It won’t be easy against Munich though, they have a strong defense and plenty of offensive depth.

Social media is dead, long live blogging

Urblogger Jason Kottke asked his readers to send him inspirational blogs and newsletters; he was impressed with the breadth of curated content.

As opposed to centralized social media plattforms with data vacuum cleaners attached, decentralized blogs will always be independent cultural tools with their own style and tech.

It takes patience and persistence to build a blog. So called social media might be a convienient click away, yet if it’s too easy people get lazy and turn into disposable consumers.

I also keep it out of spite, because I refuse to let social media take everything. Those shapeless, formless platforms haven’t earned it and don’t deserve it. I’ve blogged about this many times, but I still believe it: When I log into Facebook, I see Facebook. When I visit your blog, I see you.

via kottke.org