Betrug als Doku in Schwabing


Was ist echt und was ist tatsächlich wichtig? Bastian deckt es auf.

Im homogenen, weißen Ghetto von München-Schwabing, wo oberflächliche Äußerlichkeiten und spirituelle Armut einen hohen sozialen Stellenwert haben, schafft es ein Zugezogener namens Bastian, die Eltern einer Kita unbewusst den Spiegel vorzuhalten und sich als Finanzvorstand an der Kasse des Kindergartens zu bereichern.

Dieser wunderschön inszenierte Dokumentarfilm „Betrug“ von David Spaeth ist so ambivalent und amüsant zugleich, weil mir der Hochstapler als Zuschauer sympathischer ist, auch wenn sein Akt des Bereicherns aus der Kitakasse straffällig ist.

Eine Schlüsselszene spielt sich bei Bastian Zuhause ab. Unwissend fressen sich die Eltern selber und huldigen gleichzeitig den Statusschein Bastians. Er lädt die Eltern zu sich ein, dabei wird Champagner und Kaviar mit dem geklauten Geld der Eltern serviert. Ein Elternteil ist so angetan davon und wünscht sich die Zukunft immer so, Basti lädt mit Champagner und Kaviar ein.

Durch diesen Selbstbetrug und der wunderbaren Ambivalenz des gefressen werdens stellt sich die Frage wer hier eigentlich wen betrügt oder wie einfach und oberflächlich Menschen zu beeindrucken sind? Und warum haben alle Eltern graue Sofas? Vielleicht ist es die fehlende Reflexion des eigenen, inneren Leidens? Erzeugt diese Leere gerade genug Unzufriedenheit um sich lieber in faulen Konsum zu flüchten? Und ist das oberflächliche Urteilen über andere ein unischerheitsvertuschen dieses Mankos?

via ARD Mediathek

Osteuropa schätzt und nutzt seine Medienfreiheit

Wenn die europäische Union aus Radio und TV (EBU) eine Erhebung zum Vertrauen der verschiedenen Mediengattungen zum Leben erweckt, stellt sich sofort die Frage wie glaubwürdig die Studie ansich ist.

Solider wäre es wohl wenn eine Uni oder ein nachweislich unabhängiger Dienstleister sich der Sache annimmt. Immerhin, es wurden 1.000 Face-to-Face-Interviews pro Land mit Personen ab 15 Jahren in 33 Ländern Europas durchgeführt.

Vertrauen ist ein großes, weites Feld. Er ist unser aller sozialer Klebstoff, von der Familie hin zur Eckkneipe im Kiez bis zu geistigen und sprachlichen Handlungen von Politikern. Allein die Defintion von Vertrauen hat in den letzten Dekaden einen Zuwachs an Erklärungen gesehen.


Radio geniesst mit Abstand das meiste Vertrauen als Medium in der EU

Eines ist sicher, dickes und dünnes Vertrauen lässt sich relativ klar definieren. Und die traditionellen Mediengattungen bewegen sich alle auf dünnem Vertrauen, sie müssen sich das Vertrauen immer wieder erarbeiten; über Zeit und mit konsequenten Handlungen und nachvollziehbaren Inhalten.

Womöglich geniesst das gesprochene Wort in Zeiten von antisozialen, digitalen Medien ein höheres, dünneres Vertrauen weil es sich weniger verfälschen lässt, du hörst was du hörst und weißt wer da spricht. Vielleicht ist es unsere Sehnsucht nach dem stammischen Lagerfeuer bei der uns ein Bonnehomme die Welt in einfachen Worten erklärt.

Andererseits stehen die Bürger des neuen Ostens dem Internet weitaus positiver und offener gegenüber. Dies kann ich in meinen persönlichen Erfahrungen bestätigen. Der Sprung von Staatspropaganda in TV und Radio hin zum dezentralen, offenen, und demokratischen Internet wirkte wie eine Befreiung für Polen, Esten, Litauer oder Bulgaren.


Ist den Deutschen die Sicherheit im Internet wichtiger als Freiheit?

via vprt

Tagesspiegel Berliner #2

Futurezone.de läuft

Seit gestern gibt es noch eine Tech-News-Plattform in deutscher Sprache. Halt, so einfach ist es nicht. Futurezone.de ist eine österreichische/deutsche Kooperation der Futurezone und Funke Digital mit Redaktionssitz in Berlin. Spannend ist das Team dahinter, zwei Frauen, die der männerlastigen Tech-News-Domäne einen frischen, neuen Anstrich verleihen, danke dafür und viel Erfolg!

Skalierung der digitalen Bohème


Illustration: Susann Massute

In nur 10 Jahren haben sich die freiberuflichen Mikrounternehmer in Deutschland verdoppelt und Berlin bleibt auch deren Hauptstadt. Auf einer PowerPoint Folie lässt sich das super schick darstellen, es wird mal wieder ordentlich skaliert!

Ich war letzte Woche in der Kopenhagenerstrasse und habe mir den Vortrag und die Diskussion zur Lage der digitalen Bohème angehört. In Anlehnung an das zehnjährige Jubiläum des Buches „Wir nennen es Arbeit“ waren auch die Autoren Friebe und Lobo körperlich und geistig anwesend. Timo Daum reihte seinen Vortrag an seine schriftlichen Gedanken an und fragte uns, ob der Kapitalismus nur seine Krisen besser managed und sich an Stew Albert besinnt:

„Socialism in one person! But that of course is capitalism.“

Timo erwähnte auch Janina Kugel, Siemens Personlachefin, die heutzutage davon redet wie wichtig das Individuum ist und dessen Selbstverwirklichung, denn wer selbstbestimmt arbeitet ist auch produktiver! So finden sich Ideen der digitalen Bohème in der Sprache eines Corporate-Tankers, die von den flexiblen Arbeitszeitmodellen der Mikrounternehmer gerne etwas abhaben wollen.

In der Geschichte der Arbeit wurde auch die geliebte Margaret Thatcher erwähnt, die dem Punk erst zum Erfolg verhalf und die Ära der Selfishness ins Leben rief, quasi ein Vorbote der Selfie-Sadness und der potenziellen AI-Einsamkeit, zu finden in der filmischen Darbietung von „Her“. Das kapitalistische Subjektivitätsmodell launcht neue Produkte so effektiv wie die Autoindustrie neue SUVs.

Auf die Definition von Arbeit ist in der Diskussion auch eingegangen worden. Wissenschaftlich relativ klar: Arbeit ist Kraft mal Weg. Es kann natürlich ohne einen geldwerten Vorteil entrichtet werden, auch wenn Cash auf dem Konto das gängigste Resultat ist. Schön finde ich Holm Friebe’s Ansatz: Arbeit ist etwas Gutes in der Welt zu hinterlassen ohne dabei zu verelenden. Hier lässt sich im aktuellen Kontext gerne „etwas Gutes“ weiter erkunden.

Denn die Sharing-Economy ist eher fake als gut, sie lässt sich vom Kapitalismus vereinnahmen, ob Uber oder Airbnb, dahinter stecken keine Genossenschaften, die zum Wohle der Gemeinschaft handeln oder die Armut abschaffen wollen. Sie ermöglichen Zusatzverdienste von Mikrounternehmern, die ihre Autos oder Wohnungen zeitabhängig vermieten; wohlwollende Sharing-Eigentümer der Plattformen obliegen den Mechanismen des Risikokapitals und dem Druck der omnipräsenten Skalierung. Und sie schaffen sich ihre eigene, jetzt kommt nochmal Mikro ins Spiel, mikrogranulare Intransparenz.

Dieses Pendeln zwischen großen Strukturen des gleichen Mainstreams und unabhängiger Selbstermächtigung im Kollektiv der Vielfalt ist analog zum Pendeln zwischen Privatem und Öffentlichem, welches Hegel das menschliche Bewusstsein schlechthin nannte. Ich glaube der Fokus sollte in der besseren Vernetzung des Kollektivs der Vielfalt liegen, damit wir der kapitalistischen Selfie-Bequemlichkeit mit einer unabhängigen Sharing-Economy begegnen und Fakten schaffen, die gutes Handeln positiv beeinflusst.

Berlinerin kauf!

Stadtmagazine gibt es Berlin. Es gab auch Versuche mit The Greatest eine Nische in der Nische zu finden. Jetzt versucht die Berlinerin Kaufimpulse an Frauen zu vermitteln, die abseits von den ökonomischen Nischen Xhains oder Neuköllns zu finden sind.

Mein erster Eindruck ist, dass es eine Nische für kaufkräftige Frauen in Berlin gibt, aber ich bin mir nicht sicher ob es reicht. Auf dem Kudamm, der Friedrichstrasse und in Teilen Prenzlauer Bergs sind bestimmt Käufer am Kiosk zu finden. Vielleicht überzeugt das Magazin auch Frauen in Düsseldorf, München oder Frankfurt, die den „Berlin-Style“ suchen.

via Kress

China auf Deutsch

21china

Heute erscheint ein neues deutschsprachiges Print Magazin über China: 21 CHINA. Inhaltlich geht es darum Menschen aus China zu porträtieren, die in Kultur und Wirtschaft etwas bewegen. Als journalistische Stilform bilden Interviews das Rückgrat des Magazins. Ist ein relevanter und zeitgemäßer Ansatz um auch mein einseitiges Bild von China zu verfeinern. Viel Glück.