Qualität versus Tricks

Eigentlich ist es Zeit für eine Suchmaschine, die weg von Klicks und Tricks Inhalte findet und tatsächlich für den Suchenden relevant ist. Der Head of Inhalte bei sueddeutsche.de fragt sich warum Verlage (plus sueddeutsche.de) den Journalismus vernachlässigen.

via Stefan Plöchinger

/// Ergänzung zu  dieser Serie zu Qualität im Onlinejournalismus ///

Wir Journalisten haben uns angewöhnt, den Erfolg in unserer Branche nicht mehr journalistisch zu beurteilen, sondern zu messen. Die Auflage der Zeitungen, die Quote der Radio- und Fernsehsender, die Zahl der Klicks, Besuche und Besucher der Nachrichtenseiten – diese Zahlen wirken überzeugend, absolut, unangreifbar. Jeden Monat werden diese Reichweiten von den Fachdiensten verbreitet, und dann wird abgerechnet: Wer ist Top, wer ist Flop? Wer ist der Beste und Größte?

Die Frage, wer seine Leser klüger macht und wer dümmer, wäre zweifellos manchmal interessanter. Darüber können die Fachdienste nicht so leicht schreiben, denn man muss dann hinter die Zahlen schauen, was länger dauert: auf das, was Journalismus eigentlich ausmacht, auf die Fähigkeit einer Publikation zum Einordnen, Erklären und Hinterfragen.

Und gelegentlich muss man auch die Zahlen selbst einordnen, erklären und hinterfragen.

Noch mehr lesen

Fiktion der Vernunft: FAZ punkt nett

1999 war die FAZ überzeugt davon, dass tagesaktuelle Nachrichten nicht ins Netz gehören. Dank der Wayback Machine lässt sich auf der faz.de lesen, dass ‘Radio ja auch nicht im Rad verlesen wird’, als Begründung für das Festhalten an der eigenen Vernunft ohne tagesaktuelle Nachrichten.

2011 ist aus der faz.net die FAZ im Internet geworden und alles ist beim Alten, nur jetzt mit vernünftiger Markenführung und lesbaren URLs. Sogenannte Blogs sind schon vorher hinzugekommen, mitsamt einhergehendem Kontrollverlust. Hab ich voll vergessen, da war noch das Farbbild auf der Titelseite in 2007.

Im Land der unendlichen Kritiker mit einem Leitmedium aus Hessen scheint die Unsicherheitsvermeidung vernünftiger als Innovation. Ist irgendwie ganz nett, weil niemand in Mainhatten Verantwortung für eigene “Fehler” übernehmen muss. Und so hält man an der eigenen Fiktion der Vernunft fest, naja solange das Radio eben nicht im Rad verlesen wird.