Freiräume für die Blogosphäre

Ein vervielfätigtes Bild von mir beim Schreiben meiner Thesis über Blogs in Lübeck. Danke an Maximillian Wiedemann für das Bild.

Mein erster Beitrag über Blogs war typisch für die Zeit, ein Meta-Post über das Bloggen, es ist wieder soweit.

Blogs sind die schönste Form der Subkultur im Internet. Idealerweise sind es persönliche, authentische Sichtweisen. Sie stehen für eine lebendige Demokratie und bilden im freien Web einen essentiellen publizistischen Kern des Citoyen. Sie liefern Inhalte von denen andere ablesen, kopieren, remixen, verlinken und nicht immer transparent zitieren.

Dies wäre ohne den Hyperlink nicht möglich und der hat sich in den letzten Jahren ganz schön vereinnahmen lassen und dabei haben sich Blogs voneinander entfernt.

Oft war es Zufall wenn ich einen wunderbaren Post aus einem Blog gelesen habe. Entweder habe ihn in einer Blogroll entdeckt oder er wurde in einen Post verlinkt mit Textauszügen und einem persönlichem Kommentar. Das eher Zufällige stolpern machte es menschlicher, selbstbestimmter und überraschender. Es ist ein bisschen wie das Zufallsnotizbuch der slowenischen Schriftstellerin Anna Marwan; durch die Überoptimierung des Digitalen im Leben wächst der Wunsch nach randomness.

Das wurde durch die Überweidung der zentralistischen Plattformen im Web, die am liebsten selber das Web sein wollen, stark beschädigt und in eine langweilige Werbeabhängigkeit programmiert. Ein bisschen wie touristische Orte mit All-Inclusive Angeboten, nimmersatten Buffets, durchgetaktete Umgebungstouren, kein Life und kein Style Shops mitsamt betreuter Animation.

Wir sollten Blogs auf die nächste Entwicklungsstufe katapulitieren, so dass es sich lohnt ein unabhängiger Reisender zu sein statt ein übersättigter Tourist im Web der wenigen Plattformen.

Als Reisender interessiert mich die Kultur vor Ort, die Sprache, die Menschen, das Neue, das Andere und nicht das gewohnte Zuhause. Ich möchte selber auf Entdeckungs-Tour gehen ohne die abgetrampelten Pfade der Insta-Bilderhorden.

Und als jemand der sich für Blogs seit der Geburtsstunde im Kontext eines Krieges interessiert, ist mir seit Jahren die unglaubliche Ausdauer, im finnischen ist es Sisu, des Formats und der Kulturtechnik des Bloggens bewusst geworden.

Sie sind ein großer Teil des Webs aber zu vereinzelt in der Nutzung. Sie stärken den Kontext und sind friedlicher, weil textbasierter und weniger im Shitstorm-Modus. Sie benötigen neue Formen der Kooperation um die Motivation der Teilnahme zu stärken.

Lasst uns die freien Räume des Webs zurück holen und ausbauen. Blogs sind als Schnellboote im digitalen Kapillarsystem bestens dafür geeignet.

Wir sollten uns besser vernetzen als zuvor und technisch weiter entwickeln, Zeit gewinnen, menschlich bleiben, AI und Krypto sinnvoll nutzen statt hypen, dafür habe ich Plankton ins Leben gerufen.

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