Authentisch verkaufen ist an sich ein Oxymoron. Die Kunst des Verkaufens besteht darin, emotionale, zwischenmenschliche Nähe zu suggerieren. Den Pulli habe ich mir auch selber gekauft! Das Rot steht dir echt gut; es entsteht ein Gefühl der transaktionalen Verbindung.
Wer die künstliche Verknappung beherrscht und FoMo in die unendlichen Weiten des Webs trägt, kann sich an impulsiven Transaktionen erfreuen. Denn auch Konsumenten haben Gefühle. Bis jetzt sind die kodifizierten Algorithmen im Interface eines Chats, mit einem Formfeld, noch nicht soweit.
Wenn die intimsten Sorgen von Teenagern im Interface eines digitalen Gesprächs bereits Anklang finden, sollten wir uns auf den künstlich, aber authentisch getrimmten Verkäufer vorbereiten. Tröstlich daran ist, dass das Authentische nur künstlich simuliert ist, nicht 100% menschlich simuliert authentisch.
Es kann sein, dass emotionales Verkaufen, welches zwischenmenschliche Nähe suggeriert, gepaart mit einer simulierten Authentizität, menschlichen Aura und dabei Robotik inkludiert, uns schon bald begegnen wird.
Weil diese Verkäufermentalität aber dem intimen Vertrauensverhältnis widerspricht, das so manche Menschen mittlerweile zur Maschine aufgebaut haben, muss auch die KI lernen, das Verkaufen besser zu verkaufen. Daher wird an der »Emotionalen Intelligenz« der Maschinen gearbeitet, die sich besser in ihre Nutzer »einfühlen« sollen, um Frustrationsmomente auszugleichen. Sie sollen die Menschen nicht mit zu offener Berechnung verprellen, denn das schade dem Geschäft.
via ND
