Ganz böser Heimat-Code

Menschen sind böse, auch Buddhisten, vor allem wenn sie sich bedroht fühlen, gewalttätig ausgegrenzt werden oder sich über andere stellen wollen.

Ich erinnere mich immer wieder an die Selbstverbrennungen tibetischer Mönche als versuchter Protest gegen die chinesische Besatzung, es hat politisch wenig erwirkt, leider nur Aufmerksamkeit für die Lage der Tibeter. In Myanmar scheinen die Briten historisch auch einen Anteil an der furchtbaren Gewalt gegenüber den staatenlosen Rohingya zu haben sowie verblendete buddhistische Mönche.

Eine unterschiedliche Energie zwischen dem Islam und Buddhismus habe ich bei meinem Besuch auf Ko Lanta in Thailand gespürt. Ein Teil der Insel war eher buddhistisch geprägt und der andere muslimisch, auch wenn das vereinfacht klingt wirkte die muslimische Energie schwerer.

Ich habe mich immer gefragt warum der billig gescriptete Tatort einigermaßen beliebt ist, andere nennen ihn den deutschen Krimi-Discounter; ist es die Faszination mit dem Bösen und der tausendfach reproduzierte, ambivalente Aufklärungsprozess des Herausfindens wer der Täter ist?

Es ist meistens schwerer das Positive zu sehen und sich seine Zeit mit konstruktiven, progressiven Themen zu beschäftigen als billiges CSI zu schauen oder im Internet herumzutrollen.

Vielleicht sollten wir mehr in unsere Selbstaufklärung investieren anstatt sich über andere zu erheben im Geiste von oberflächlicher, materialistischer Natur oder kitschig verpackter, kultureller Arroganz.

Wir sind gefangen in unseren Heimat-Codes, die wir nicht verstehen weil wir unbewusst handeln; warum wir denken wie wir denken hilft uns den Kosmos besser zu verstehen anstatt hässliche Widersprüche eigener Werte zu leben und innere Mauern zu bauen.

Hajo, Mannem

Mit 3 bin ich das erste Mal umgezogen, von Frankfurt nach Chicago. Insgesamt bin ich 17 Mal umgezogen. In Mannheim hatte ich als heranwachsender Junge 3 Jahre einen festen Wohnsitz.

Mannhatten hat sich quasi ihre Stadtplanung von der Quadratenstadt Mannem abgeschaut, so wars, um nach N1 zu kommen fährt man einfach die Buchstaben-Achse runter. So ähnlich navigierts sich in NYC, von der 12. zur 42. Straße einfach immer einer Avenue entlang.

Als mittelmäßig talentierter Skater habe ich mein Glück am Wasserturm-Pool gesucht, der Turm lag außerhalb der Quadraten am Friedrichplatz. Auf dem Eis war ich deutlich sportlicher unterwegs, beim MERC. Und übers Netz schlug ich gelbe Bälle im Schwarz-Weiß Neckarau, hajo.

Aus der Zeit ist mir der rauhe, charmante Dialekt erhalten geblieben, auf Knopfdruck kann ich sprechen wie ein Mannemer. Ich hatte immer das Gefühl dort willkommen zu sein, in der Schule, der Nachbarschaft oder im Stollenwörtweiher.

In den vielen Jahren meines Umherziehens habe ich gelernt zuzuhören, ein Fremder zu sein obgleich das Fremde zu umarmen und dabei die einzigartigen kulturellen Codes bewusst zu sehen. Beim nächsten Umzug durfte ich mir das Schönste aussuchen und einfach mit nehmen.

Mannem hat mich positiv geprägt, die einstige Arbeiterstadt hat einen harten Kern, ehrlich, eine besondere Art über sich selber zu lachen kombiniert mit einem gesunden Lokalpatriotismus.

Besonders ist mit der traditionsreiche Waldhof Mannheim in Erinnerung gelieben. Waldhof kam nie mit dem potenziellen Hopp-Mäzen klar, dafür der aus der Retorte gebackene TSG. So ein Gaudino wäre in Hoffenheim sowieso im falschen Verein.

Boundaries of Compassion

I’m happy to be alive in this time of age. I can live to be over 80 as a man, I can easily access one of the last frontier countries on planet earth, New Zealand, if I want to. I have access to affordable health care and can take paid parental leave for twelve months for my new born child, if I want to. I can choose from an array of media sources on the interwebs to attain the closest account of the truth possible.

I’m impressed about refugees, who arrived in masses last year, getting their first pay checks in their new jobs, which makes me proud, especially as a German. I’m also content about Berlin’s reaction to the fear machine, been there, done that, it’s so 1933.

Even though 2016 has been a mighty dirty dust in the wind, unity is more common than division and those who understand our misperception of being stuck inside our skin, where we outsource happiness to us versus others, are those who hold the light for others.

What we need is more compassion and a whole lotta less fear to fix our problems on planet earth. Yet, we still need clear boundaries of compassion as inspiration for those who are strongly attached to their ego, simply lost in the universe, sleepwalk in daylight with their headphones or pray to superficial signifiers.

Schneller Stillstand

Wir werden immer mobiler – aber wir stehen immer mehr im Stau. Wir haben mehr Kommunikationskanäle als je zuvor – aber wir sind nicht besser erreichbar. Wir kommunizieren digital mit immer mehr Menschen – aber wir sind einsamer. Virilio spricht vom paradoxen Effekt der Selbstblockade.

Ich habe mir sein Essay Fluchtgeschwindigkeit nochmal angeschaut. Es ist der Versuch sein Thema der Geschwindigkeit an die Lichtgeschwindigkeit anzudocken.

Nicht mehr die Berührungslinie zwischen Himmel und Erdoberfläche ist der Horizont des telekommunikativen Zeitgenossen, sondern ein abstrakter und unendlicher Datenhorizont, der sowohl vor dem unendlichen Hintergrund des äußeren Raums als auch in der Tiefe der Mikroräume zu einem Verlust menschlicher Bezugspunkte führt.

via Telepolis

Das menschliche Bedürfnis nach Entschleunigung äußert sich in dem was bewusst Slow gelebt wird, ob Essen, Natur, mit der Familie zu sein oder der Rezeption von Nachrichten-Streams. Dieses Slow will Bezugspunkte wieder herzustellen und die Heimat aus der Selbstblockade befreien. Das mit der Lichtgeschwindigkeit muss ich nochmal nachlesen.

Das Mehr zu sehen

Lebensstil entsteht weniger durch äußere Bedingungen sondern durch innere. Dieser Zeitpunkt ist immer vorhanden, er erscheint heute präsenter weil wir durch die digitale Informationsflut mehr von Anderen erfahren als je zuvor und innere Bedingungen aus den Augen verlieren – die Kunst das Mehr nur zu sehen.

via Finanzwesir

Heimat und hübscher Kitsch


Vilem Flusser, Schloss Solitude, Stuttgart, April 1991
Foto: Bernd Bodtländer


Was ist Heimat? Geheime Codes von Gewohnheiten, die von Beheimateten unbewusst geheiligt werden und für Zuwanderer wenn dekodifiziert als hübscher Kitsch enttarnt werden. Deshalb sind Zuwanderer für Beheimatete hässlich weil sie ihnen vorhalten wie banal ihre Codes sind.

Ich bin inspiriert von Vilém Flussers visionärem Vortrag ‘Heimat und Heimatlosigkeit’ aus dem Jahre 1985, der heute relevanter denn je ist. Flusser verknüpfte Medientechnik und den Umgang mit fremden Kulturen. Ich versuche eine Brücke zu unabhängigen, persönlichen, wandernden und meinungsbewussten Bloggern zu schlagen.

Flusser ist in vier Sprachen beheimatet gewesen, in Prag geboren, vor den Nazis als Jude über London nach Brasilien geflüchtet. 1972 vor der Militärregierung aus Brasilien wieder nach Europa gezogen und 1991 bei einem Autounfall in Deutschland gestorben.

In der menschlichen Kommunikation sah Flusser den scheiternden Versuch über die Abgründe zwischen Menschen und den menschlichen Gruppen Brücken zu schlagen.

“Der Mensch ist ein wohnendes, nicht notwendig beheimatetes Wesen. Die Wohnung erlaubt erst die Geräusche der Welt in Informationen um zu arbeiten um die Welt überhaupt erst wahrnehmen zu können. Das menschliche Dasein ist ein Pendeln zwischen Wohnung und Welt, zwischen öffentlichen und privatem. Dieses Pendeln zwischen privatem und öffentlichen, dieses privatisieren von öffentlichen und publizieren von privaten ist das was Hegel das unglückliche Bewusstsein genannt hat und welches das menschliche Bewusstsein schlechthin ist.”

Blogger dokumentieren die Geräusche der Welt mit ihrem persönlichen Filter und sind offensichtlicher subjektiv. Ihr Blog kann als Erweiterung der Wohnung gesehen werden, in dem sie Gemeinsamkeiten ihres menschlichen Daseins teilen.

“Die gegenwärtige Informationsrevolution kann als Befreiung von geografischer Gebundenheit angesehen werden. Ein immer größerer Teil der Menschheit wandert: Kubaner in Florida, Vietnamesen in Kalifornien oder Türken in Deutschland.”

Blogger wandern, sie sind befreit von geografischer Gebundenheit, auch wenn ihre kulturellen Wurzeln ein fester Bestandteil der Identität sind. Ihr öffentliches Publizieren ist geografisch ungebunden und somit die Wahl ihrer Wohnung. Im Vortrag erwähnte Flusser, dass die Heimat durch den sammelnden und nomadischen Menschen mit Hilfe der Informationsrevolution überwunden werden würde, Blogger sind Vorboten.

Weiter dachte er, dass in der zukünftigen und revolutionären Gesellschaft Dialoge überwiegen, welche ständig Informationen erzeugen. Bedingt durch die so entstehende Informationsflut zerbrechen die alten Diskurse. Dementsprechend gibt es in der telematischen Gesellschaft keine Autoritäten. Sie ist aufgrund ihrer vernetzten Struktur völlig undurchsichtig und lenkt sich selbst kybernetisch. So wird Telematik von ihm auch als kosmisches Hirn bezeichnet.

Blogger sind Teil dieses undurchsichtigen, dezentralen, kosmischen Hirns und das ist auch gut so. Also, nichts wie raus ihr wanderlustigen und findet die abgezäunten, banalen Schrebergärten und enttarnt sie als hübschen Kitsch.