Den Kuchen alleine essen

Jedes Mal wenn ich kurz davor bin eine allumfassende Lösung für die Menschheit im Journal of Science zu veröffentlichen, bleibe ich immer bei der vergleichenden Anhaftung in Kombination mit dem zähen Ego hängen.

Es scheint als wäre „Ich will den Kuchen selber essen obwohl ich ihn gar nicht alleine schaffe“ einfach zu hart in die menschliche DNA kodiert; evolutionär haben wir außer ein paar schöne Geschichten und Arbeit als bezahlte Nötigung wenig für erleuchtete Wesen aus dem Weltall im Angebot, ok, die Relativitätstheorie, Abwassersysteme und eine gerechte Judikative sind garnicht so schlecht.

Erst kommt das Fressen dann die Moral scheint eine unabdingbare, brechtsche Erkenntnis zu sein, die täglich reproduziert wird. Den Kuchen alleine essen als animalische Überlebensstrategie? Nur warum teilen dann Menschen mit wenig materiellem Eigentum meistens mehr? Fehlt uns die Machtlosigkeit des Geldes? Sind berechenbare, soziale Beziehungen mit einer Überdosis Eigennutz die Berliner Mauer des Fortschritts?

Wenn wir den anhaftenden Egokuchen mit oberflächlicher Distinktion und äußerlichen Bedingungen flankieren, geistern wir immer weiter mit sinnentleerten Lebensläufen durch die Weltgeschichte ohne jemals gewusst zu haben warum wir überhaupt hier sind und welcher Fortschritt an uns vorbei fliegt.

Paprika Chips sind auch keine Lösung


Photo via Jessica and Lon Binder

Das muss in der 6. Klasse gewesen sein als ich drei Jahre in der Quadratenstadt Mannheim die Schulbank drückte. Im Kiosk meines Vertrauens gabs in der großen Pause saure Zungen und auf dem Weg nach Hause manchmal eine Tüte Paprika Chips.

Zur Auswahl standen im Regal ganze drei Sorten Paprika, das wars. Sour Cream Whiskey oder Kürbis Orange wären unglaubwürdige Zukunftsvisionen gewesen. Die gute alte Paprika hatte eine absolute Monopolstellung, das orangefarbene Gewürz musste sich vor niemandem rechtfertigen, die miefige Wessi-BRD war sich sicher, Chips sind orange, ich habe fertig.

Telefonieren organisierte im Alleingang die Deutsche Post. Ich kann mich noch an die kryptischen Fetznetz Rechnungen erinnern. Telekom hilft wirkt heute wie eine Ironie der Geschichte. Sie waren Nutznießer im Kosmos des Wessi-Kommunismus. Geklonte Staatsunternehmen, im Geiste der Lufthansa oder Bahn ohne wirklichen Dienstleistungsdruck und dem Atem des Verbrauchers am Hinterkopf, zählten munter ihre Einnahmen.

In die Glaskugel schauen ist kein Dieselmotor. Wir sind uns immer gleich so sicher obwohl wir garnichts Wissen. ISDN wäre fast das schnellste Internet der Welt geworden. Michel Houellebecq stilisierte glatte Broschüren deutscher Autohersteller als Fiktion der Vernunft. Nur ein Komödiant mit Doktortitel kann seriös sein; es muss sich alles ableiten können, über uns selber lachen macht überhaupt keinen Sinn und die Zukunft überlassen wir lieber anderen, dafür empfehle ich weiterhin, dass wir alle erdenklichen Prozesse in der Gegenwart optimieren.

„Das Internet wird kein Massenmedium, weil es in seiner Seele keines ist“. – Zukunftsforscher Matthias Horx, 2001

Warum wir keine guten Führer sind

„Es gab Zwänge, denen du dich nicht entziehen konntest. Das war natürlich traurig und ein Bestandteil eines falschen Systems. Und: Es war auch alternativlos“. – Matthias Sammer

Ich habe mich gestern Abend mit einem Österreicher über den zunehmenden, verkappten Fascho-Konservatismus in der Politik unterhalten und warum ein Kanzler Kurz, der die sozialen Systeme aushöhlen will, fürs nichts steht außer ein bisschen nett hetzen und Geld verdienen.

Matthias Sammer ist zwar kein Fascho, aber ein anpassungswilliger Systemopportunist ohne Haltung, der das DDR-System für seine freiwillige Mitarbeit bei der Stasi verantwortlich macht und als Karriere-Chamäleon seine eklatante Führungsschwäche sowie ein fehlendes, individuelles Verantwortungsbewusstsein zeigt.

Die Liste lässt sich bis zum ehemaligen VW-Häuptling Martin Winterkorn weiter führen, Bonihasen, die keine individuelle Verantwortung übernehmen. Alternativ hätten wir noch Wendehälse à la Angela Merkel, die zu 70% aus Opportunismus in der FDJ waren und jede beliebige Fahne aufs Dach hissen solange es gerade systemisch zum eigenen Vorteil passt.

Uns bleibt nur die Chance unseren, eigenen Willy Brandt in die Welt zu lassen oder den Franzosen das Ruder für Europa zu übergeben.

via T-Online

Den Hygge Hype wegscrollen

Endlos scrollen wir durch Szenen des Glücks, uns verlierend in den Glücksversprechen von inszenierten Situationen an Orten, die wir bereisen wollen, weil wir glauben, dass sie uns interessanter machen, als wir es selbst je sein könnten.

Glatte Oberflächen lassen sich wunderbar schnell konsumieren, je näher sie am perfekten Äußerlichen dran sind umso mehr dürfen es kurzfristige Illusionen der subjektiven Warhnehmung sein.

Sollten wir uns zu Tode scrollen und weiterhin freiwillig das Pseudo-Private an einen großen Konzern in Kalifornien kostenfrei übermitteln, rettet uns auch kein Hygge-Label als Ersatz für die fehlende Spiritualität in der omnipräsenten Verwertungsgesellschaft. Wie auch immer du deinen inneren Kern findest, ich bin mir ziemlich sicher, dass du ihn nicht beim Scrollen auf der Suche nach Hygge findest; der ist unlängst in dir drin, nur ungleich von Menschen entdeckt.

Laut meinem Verständnis ist Thoreau der Anti-Urhygge, er hatte er nur ein anderes, viel cooleres Label dafür: Ziviler Ungehorsam. Das passt natürlich nicht in die Verwertungsketten des Hygge-Labels, laut Dr. Wikipedia soll „let’s hygge“ sich einfach nur gegenüber sitzen sein und zuprosten. Ein Thoreau erinnert mich daran welche enorme, ungehorsame Macht wir als scrollende Verbraucher so haben.

via kleinerdrei

Einhornische Authentizität


Auch ein Plastikeinhorn ist irgendwie einzigartig, via Four Bricks Tall

Ich hatte einen Geschichtslehrer in New York, das muss in der 9. Klasse gewesen sein, der uns im Unterricht empfahl eine Leidenschaft zu entdecken und daraus eine Berufung zu machen. Wir sollten uns keine Illusionen machen, der Weg hat kein Ende und die Berufung schickt keine Rechnung.

Durch die Verzweckung des Alltags und einem sicherheitsstiftenden Produktivitätszwang verliert sich unser inneres Kind weniger im Moment des Seins, es bleibt weniger Zeit für die Suche nach dem inneren Kern, der heiligen Quelle der Authentizität.

Natürlich bietet sich ein 2-tägiger Workshop für die Suche nach der Quelle an. Ich sehe Listicle-Artikel, die mit „11 sofort umsetzbare Tipps um mit einem Klick real zu sein“ betitelt sind. Ich sehe Authentitzität verstärkt im Angebot, realness wird endlich kaufbar.

Tatsächlich hat „Authentizität“ in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Karriere hingelegt. Als könne ein Mensch jederzeit mit sich selbst identisch sein. Als ob schon irgendwas erreicht wäre, wenn jemand wie in der „Du darfst“-Werbung von sich behauptet: „Ich will so bleiben, wie ich bin.“

Durch unsere Primisierung des Soforthabenkönnens vergessen wir uns im Verlieren des Suchens, des inneren Sehens ohne klickbaren Kostennutzen und den Verlockungen der Verzweckungen, plötzlich ist „authentisch“ sein wichtig für die Karriere-Chamäleons, die Pofallas dieser Welt: echt Wirken ist wichtiger als Sein.

Tierisches Sinnbild dieser totalen, einzigartigen Realness ist das Einhorn. Tassen, Aufkleber, blinkende Hausschuhe, pinke Wurst und in Malle hat das Einhorn da vorn ein Horn. Es ist der kleinste, gemeinsame Nenner der einhornischen Authentizität, nur schade, dass sich fast keiner über den kulturgeschichtlichen Kern des Einhorns bewusst ist.

Das Fabeltier erscheint hier als Sinnbild der männlichen Fruchtbarkeit. Das Horn als Penis, der Regen als Ejakulation, das fruchtbare Land als Schwangerschaft. Ob sich die Marketingbüros, die sich die rosa Etiketten und die netten Sprüche ausdenken, dieser Konnotation bewusst sind?

via Maike Brülls

Endlich, selbstparkende Stühle

Nissan hat zusammen mit Okamura, um den eigenen Einparkassi vorzustellen, selbstparkende Stühle entwickelt. Die „Intelligent Parking Chairs“ sind vollautomatisch motorisiert und rollen auf Händeklatschkommando herum an den Tisch zurück! Die Stühle sind WLAN fähig und mit vier Kameras an der Zimmerdecke ausgestattet. Bildverarbeitungssoftware gibt es noch dazu, die erkennt wie die Stühle vorher standen. Ich hab gleich ein paar für meine Work-Life-Balance bestellt.