In der Schlange stehen


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Bild: Spiegelneuronen

Gestern war mal wieder Schlangenzeit im Supermarkt. Wie kam das Super eigentlich zum Markt? Direkt hinter mir drängte sich jemand ungefähr sieben Zentimeter an mich ran, obwohl er mit mir keinen gemeinsamen Ausdruckstanz üben wollte. Darauf folgte der Kulturcode-Exportschlager schlechthin: Ein nonverbaler Seufzer, kombiniertes Augenrollen und einer passiv aggressiven Ungeduld.

Zu dieser puren Unentspanntheit stelle ich nun eine kleine, steile These auf:  In keinem anderen Land der Erde ist das Schlangenstehen ein so schickes Abbild des alltäglichen, oberflächlichen Miteinanders.

Drängeln ohne Grund und Ergebnis. Sich zuerst sehen. Ans System des Drängelns glauben ohne es zu hinterfragen. Das ist meine Sandform. Spirituelle Armut und fehlendes authentisches Mitgefühl. Handtuch an Handtuch am Strand liegen. Glauben es besser zu Wissen ohne den Anderen zu hören und zu sehen.

Die Lösung im Alltag ist eigentlich relativ einfach: Andere in der Schlange zu erkennen und mehr Raum zu geben, geistig wie körperlich. Mein Gefühl sagt mir, dass Berlin hier ein paar Zentimeter voraus ist, liegt vielleicht daran, dass hier einfach mehr Platz ist, weniger Schlangen und unsichtbarer spiritueller Reichtum andere sein zu lassen.

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