Einhornische Authentizität


Auch ein Plastikeinhorn ist irgendwie einzigartig, via Four Bricks Tall

Ich hatte einen Geschichtslehrer in New York, das muss in der 9. Klasse gewesen sein, der uns im Unterricht empfahl eine Leidenschaft zu entdecken und daraus eine Berufung zu machen. Wir sollten uns keine Illusionen machen, der Weg hat kein Ende und die Berufung schickt keine Rechnung.

Durch die Verzweckung des Alltags und einem sicherheitsstiftenden Produktivitätszwang verliert sich unser inneres Kind weniger im Moment des Seins, es bleibt weniger Zeit für die Suche nach dem inneren Kern, der heiligen Quelle der Authentizität.

Natürlich bietet sich ein 2-tägiger Workshop für die Suche nach der Quelle an. Ich sehe Listicle-Artikel, die mit „11 sofort umsetzbare Tipps um mit einem Klick real zu sein“ betitelt sind. Ich sehe Authentitzität verstärkt im Angebot, realness wird endlich kaufbar.

Tatsächlich hat „Authentizität“ in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Karriere hingelegt. Als könne ein Mensch jederzeit mit sich selbst identisch sein. Als ob schon irgendwas erreicht wäre, wenn jemand wie in der „Du darfst“-Werbung von sich behauptet: „Ich will so bleiben, wie ich bin.“

Durch unsere Primisierung des Soforthabenkönnens vergessen wir uns im Verlieren des Suchens, des inneren Sehens ohne klickbaren Kostennutzen und den Verlockungen der Verzweckungen, plötzlich ist „authentisch“ sein wichtig für die Karriere-Chamäleons, die Pofallas dieser Welt: echt Wirken ist wichtiger als Sein.

Tierisches Sinnbild dieser totalen, einzigartigen Realness ist das Einhorn. Tassen, Aufkleber, blinkende Hausschuhe, pinke Wurst und in Malle hat das Einhorn da vorn ein Horn. Es ist der kleinste, gemeinsame Nenner der einhornischen Authentizität, nur schade, dass sich fast keiner über den kulturgeschichtlichen Kern des Einhorns bewusst ist.

Das Fabeltier erscheint hier als Sinnbild der männlichen Fruchtbarkeit. Das Horn als Penis, der Regen als Ejakulation, das fruchtbare Land als Schwangerschaft. Ob sich die Marketingbüros, die sich die rosa Etiketten und die netten Sprüche ausdenken, dieser Konnotation bewusst sind?

via Maike Brülls

Planes, trains, automobiles and Hotel Orania


Steve Martin and John Candy didn’t take the train either

Trying to capitalize on Berlin-Kreuzberg’s Kottikiez vibe for tourists, with hotel prices of up to 700 Euros per night, the owner of the newly opened Hotel Orania, Dietmar Mueller-Elmau, thinks that not everyone can pay the price for a train ticket to Germany’s capital, the same goes for Hotel Orania, but Dietmar says it’s not Berlin’s fault.

Luckily enough, Berlin’s new airport is still not finished, if it were it might bring ever more gentrifiers to the city that’ll always become. And for those who can’t pay for the train ticket, you’ll have to either walk or stay at home. If that’s not an option, you can always try carpooling. In case you’re in total doubt and stacked with zero cash, you can lock yourself in the toilet on the train of your choice en route to big B.

Dietmar is highly familiar with overpriced hotel rooms in his castle in Bavaria. And he’s always liked contradictions, even as a kid, he once turned off the power during a classical concert in the castle where he grew up. It sounds like a task only a Zapatista is capable of!

I hope that Tricky’s observation of this small town big conglomeration and it’s free spirit stays longer than hotels no one has been waiting for:

„Berlin is the last big city in the world with a vibe“ – Tricky

via taz

Developers, developers, developers!


A never ending Balmer meme speaks to Europe’s tech ecosystem, which has a pipeline of 5.5 million developers, as opposed to 4.4 million in the USA. Those numbers might add an extra inch in the long haul, especially when it comes to attracting talent to start-ups that tackle blockchain, AI and autonomous driving, says Tom Wehmeier, who’s Partner and Head of Research at Atomico upon today’s release of The State of European Tech.

Doppelheimspiel-Wochenende

Stefan Ustorf ist vom Scouten aus den Ligen in Nordamerika gerade noch rechtzeitig zum Doppelspiel-Wochenende, gegen die DEG am Freitag und die Adler Mannheim am Sonntag, zurück. Die ersten 3 Tabellenplätze sind am Wochenende in der DEL austauschbar, mit 2 Heimsiegen in der Arena am Ostbahnhof ist der Rekordmeister womöglich wieder Nummer 1.

Ein kleines Wiedersehen gibts heute Abend von fünf ehemaligen Eisbären: Spencer Machacek, Alexander Barta, Mathias Niederberger, Eduard Lewandowski, Daniel Weiß und Henry Haase spielen bei der DEG. Bei den Adlern ist nach der Niederlage gegen München Luft nach oben; die Mannheimer zählen im Nachwuchs sowie in der DEL zu den Vereinen mit großer deutscher Eishockey-Tradition und sind mit genügend Kapital von SAP ausgestattet, immer ein Topspiel.

Vermont strong

Vermont and the city of Burlington received a letter from U.S. Attorney General Jeff Sessions with a threat of potentially drying up federal funding if they continue to violate federal law, albeit it’s unclear if they even are.

It’s basically aiming at „sanctuary policies“ where cities and states adopt different approaches to immigration than the current national government. It’s sad to see the local and national representatives of the American people in disagreement when it comes to inclusion in the United States.

I always felt welcome in Vermont for those three years I lived there. I hope Senator Leahy, who held the commencement speech at my graduation, and Sanders will flex their political muscle and stay in tune with the Green Mountain’s spirit of „I live in Vermont and I do what I want.“

„The letter was an effort to „strong-arm“ the state to submit to federal immigration policies.“ – Peter Welch

via Seven Days

#Farbenbekennen und kultureller Reichtum

Die Kampagne „Farben bekennen“ ist heute gestartet, sie porträtiert Geflüchtete, die sich als neue Berliner aktiv für andere und das gemeinsame Zusammenleben engagieren.

In den nächsten Tagen werden Plakate mit den Menschen der Kampagne in Berlin sichtbar sein. Im weltweiten Internetti und in U-Bahnen zeigen sich Geflüchtete, in denen sie sagen, warum es sich lohnt, Farbe zu bekennen und Verantwortung zu übernehmen.

Teil der Kampagne ist auch ein Wettbewerb bei dem jeder Farben für das „typisch deutsch“ sein bekennen kann, wie z.B. Prozesse total krass optimieren oder oberflächlich urteilen. Als potenzieller Preis winkt eine Einladung zur Kampagnenweihnachtsfeier im Roten Rathaus am 2. Dezember 2017.

Neben allen Beteiligten der Kampagne sind Unterstützer wie Sherry Hormann, Till Brönner, Niels Giffey am Start. Hinzu tritt Fetsum auf und Max Prosa liefert einen gemeinsamen Song mit einem der Protagonisten bei einem „typisch deutschen Weihnachtsmarkt“.


Fatuma Musa Afrah (27) ist in Somalia geboren und 2014 von Kenia nach Deutschland gekommen. Sie kennt kaum ein Volk, das so willens ist, aus der eigenen Geschichte zu lernen. Sie will nichts geschenkt bekommen und leistet schon ihren Beitrag als Menschenrechtsaktivistin und in dem sie ein Netzwerk aufbaut um Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Ich sage gar nichts


So sieht das Leben in einer Printanzeige der FAZ aus, powered by „do your thing“

Ich mache total so my thing. Hey und meinen eigenen Kopf habe ich auch, der gehört ganz allein mir, nur dass ihr alle Bescheid wisst.

Und vor allem mache ich immer das Beste aus meinem Leben in jeder Situation, ohne Rücksicht auf Mensch oder Maschine. Manche halten mich sogar für die Inkarnation des Konsum-Gotts „Me First“. In tune is das totally auch mit den moralischen und ethischen Werten des neuen Seat Arona, der zum Innovationsverweigerer und Diesel-Faker Volkswagen gehört und mich vor dem Tod retten wird.

Hinzu überzeugt mich tief im Inneren die Message des TV-Spots, weil ich schon immer Punker und Popper in einem war und „let it be“ genauso lebe wie in der Werbung, der Agentur C14torce und dem Krokodil aus Afrika.

Sei komplett austauschbar und launche neue kapitalistische Subjektivitätmodelle wie die Autoindustrie SUVs.


via Horizont

Mitte is so over


So sieht eine temporäre Fahrradampel in Berlin aus, rot ist die Farbe der Liebe

Warum flüchten Menschen immer wieder nach Berlin? Sie wollen raus aus ihrer eigenen kleinbräsigen Gemeinde. Hugenotten suchten Religionsfreiheit. Württemberger fliehen vor Kehrwochen und der Schwabenstasi. Amerikaner vor Trump, teuren Mieten in New York oder der Walmartisierung Amerikas. Düsseldorfer von der Kö. Frankfurter vor drögen Erbsenzählern. Und auch Menschen aus Bayern finden Inklusion und freie Kultur interessant.

Was dabei mitzieht sind die geistigen und sprachlichen Handlungen ihrer eigenen kulturellen Prägung. Berlin wird menschlicher, kulturell reicher, bunter und mal wieder unfertig und das ist gut so. Es gibt für jeden Bundesligaverein eine Fankneipe, Exilbayern Stammtische und sogar Einkaufsmöglichkeiten für Materialisten.

Leider ziehen auch kleinbräsige Ohren und Nasen mit, die unfairer Weise zuviel Gewicht im Zerstören der Off-Kultur haben dafür aber mittendrin statt nur dabei sein wollen. Und oft sind es Menschen deren eigene egoistische Ruhe und olfaktorische Reinheit erkauft wird, sie aber selber nichts zum originellen, gesellschaftlichen Geiste der Hauptstadt beitragen.

So wie jetzt auch in einem ehemaligen Schwulenclub, dem Ackerkeller, in dem aktuell ein Frühstücksladen sitzt. Erst war der Ort zu laut und dann störte der Geruch von Pancakes. Der Koch knickte ein nachdem sich Nachbaren über den Geruch beschwert hatten. Pancakes mit Beeren-Kompott und Mascarpone sind jetzt verboten! Ich fordere mehr Solidarität und Internationalität für Mitte-Pancakes!

The dogs of ad tech

Even though a second is still measured as the duration of 9 192 631 770 periods of the radiation corresponding to the transition between the two hyperfine levels of the ground state of the caesium 133 atom, we seem to invest less time on fraud and fake checks, yet place more trust in automating ourselves to death.

And yes, on the internet nobody knows you’re a dog, a highly popularized cartoon turned meme about privacy and anonymity; it still amazes me how much money, time and trust advertisers throw at the dogs of ad tech, who are so programmaticly lost that even the ANA is unaware of their banner placements.

So, ANA, I have a question for you: If the fucking Association of National Advertisers can’t figure out where their fucking advertising is running, how the fuck is anyone else supposed to? (Sorry for the triple f-bombs but under the circumstances they felt awfully good.)

via Type A

Das Kapital sind wir


Fast alle stolzen Teiler haben Sonnenbrillen auf, das Wetter war gut

Ich bin so unheimlich stolz darauf, dass ich Daimler mein Geld geben darf um deren datenwütig sammelnden Autos zu teilen, es passt einfach zu mir. Ich habe gleich alle meine echten Facebook-Freunde eingeladen um vor dieser einzigartigen Carsharer-Karre zu posen. Jeder Mensch ist ein Künstler!

Danach haben wir zusammen an einer Gulaschkanone Eintopf gekocht und sind mit vollem Magen in einer Sharing-Kolonne durch das Bankenviertel gefahren, mit car2go Flaggen natürlich! Ich überweise so gerne total freiwillig und autark mein Geld fürs Carsharing an nur einen einzigen schwäbischen Konzern und deren Aktionäre.

Völlig freiwillig habe ich mir auch Timo Daum zur Skalierung der digitalen Bohéme in der Panke angehört und konnte den Ausführungen von Stew Albert’s „socialism in one person, but that of course is capitalism!“ folgen.

Nun ist seine Flugschrift „Das Kapital sind wir. Zur Kritik der digitalen Ökonomie“ erschienen, mit der Daum seine Thesen weiter ausführt und die kommerzielle Vereinleibung der Schein-Sharer von sozialen Beziehungen benennt um diese Ambivalenz klarzustellen.

Zwar ermöglicht die digitale Vernetzung einen freien Austausch, jedoch werden gleichzeitig soziale Beziehungen ausgebeutet. Auch bei den scheinbar demokratisch organisierten Plattformökonomien bleibt das Streben nach Profit zentral, wie Daum, der über zwei Jahrzehnte Berufserfahrung in der IT-Branche verfügt, überzeugend darlegt.

via der Freitag